Leon

Auf der Fahrt von Managua im Minibus wieder weiter an den Erdplattenkanten ziehen die
eindrucksvollen Vulkankegel nacheinander vorbei. Irre! Es ist fast wolkenlos.
Die Vegetation wird spärlicher. Die Menschen leben von Landwirtschaft und Lehmziegelherstellung.
Trocken und heiss werden wir in Leon empfangen.
Leon war als Universitätsstadt intellektuelles, kulurelles und auch revolutionäres Zentrum des Landes.
Wir wandeln durch die koloniale Stadt auf den Spuren der sandinistischen Revolution und entdecken auch eine gute
Kunstgalerie. Das Museum der Befreiungsbewegung (FSLN) wirkt sehr improvisiert, gibt aber krasse Eindrücke vor allem vom
Jahr 1979 und dem Ausmaß der Zerstörung nach der Revolution.
Vom Dach dieses Gebäudes am Hauptplatz genießen wir den Ausblick auf den Ring of Fire. Die Stadt ist von den Feuerbergen regelrecht umzingelt.
Bei einem Hutverkäufer finden wir doch noch eine deutsche Ausgabe zum Leben des Che Guevara (.... Verlag: Ostberlin,
Druck: Frankf. am Main!!! Was sagt man dazu?).
In unserem kolonialem Hotel mit einheimischer Besitzerin fühlen wir uns in die Geschichte vergangener
Jahrhunderte zurückversetzt. In einem ganz interessantem Gespräch mit ihr, über ihre Sicht der Revolution, Sozialismus,
ihr Leben danach im Exil wird klar: Sandinistin war und ist sie nicht.
In der größten Basilika Lateinamerikas erleben wir am Abend einen eindrucksvollen Hochzeitsgottesdienst.

Vulkan Cerro Negro

In Leon mieten wir uns einen 4x4 Suzuki Vitara und fahren in Richtung Vulkan Cerro Negro. Gar
nicht so einfach, eine Stadt gezielt zu verlassen ... bei der landestypischen Beschilderung.
Dieser schwarze Aschekegel ist der jüngste Vulkan Zentralamerikas.
Bis zum Jahr 1853 befand sich an der heutigen Stelle des Vulkans eine grüne Wiese.
Die letzten Ausbrüche waren 1992 und 1999, deren Lavafelder sich noch schwarz im grünen
Umland ausbreiten. Wir besteigen den Youngster, 2 Stunden keine wirkliche Anstrengung. Es geht
vorbei an Schwefelschwaden und wir geniessen die Aussicht in Richtung Westen. Die Vulkane
sind wie auf einer Perlenkette aufgreiht. Oben ist es extrem windig. Der Boden lässt uns die
innere Glut spüren. Hier könnte man ein Ei im Sand kochen. Wiedereinmal sind wir vollkommen dreckig, alles eingestaubt.
Im Anschluss fahren wir mit dem 4x4 über die schwarzen Aschefelder.
Vulkan mit Spassfaktor
Außergewöhnlicher Vulkan mit Spaßfaktor!

Las Penitas - Reserva Narural Isla Venado

Nach einer kurzen Rast in der Rangerstation des Cerro Negro fahren wir in den Süden nach Las Penitas.
Dort gibt es ein Naturschutzgebiet mit der Möglichkeit Wasserschildkröten bei der Eiablage zu beobachten.
Wir kommen spät an und finden eine nette Bleibe im Hotel Playa Boca.
Dort organisiert der Weltenbummler Max Touren in das Mangrovengebiet. Mit dem Fischer Antonio machen wir uns am nächsten
Morgen auf und befahren den Mangrovenkanal, ein Flusslauf der sich hinter der Insel und dem Meer befindet.
wir sehen .....Krokodile, viele verschiedene Reiherarten, Ibisse, Greifvögel, Kingfischer (Eisvögel), eine große
Storchart, den Wood-Stork, verschiedene Laufvögel ....
Tolles Erlebnis mit Erinnerungen an das Pantanal Brasiliens.

Abends wollen wir auf der Insel mit einem Parkranger am Strand Turtles beobachten.
Danach soll unser Zelt zum Einsatz kommen ... Camping im leeren Naturschutzgebiet ist geplant.
Wir starten mit Rangerin Leonarda, ihrem Sohn und Kühlbox gefüllt mit Getränken und Eis, um uns einen netten Platz zu
suchen. Hier soll nach dem Turtlewatching gezeltet werden.
Schon nach den ersten Metern treffen wir Männer, teils auf Fahrrädern im Abstand von einigen hundert Metern an.
Wir fragen Leonarda, wer die Menschen sind, die sich hier im Dunkeln rumtreiben.
Sie erklärt uns, es wären Tortugieros (span.Tortuga: Schildkröte). Wir glauben im ersten Moment, das es sich hierbei
um von der Parkstation beschäftigte Beschützer von Schildkrötennestern handelt. Naiv deutsch.
Wir treffen auf unserem Weg ständig auf weitere Tortugueros und wundern uns zunehmend.
Spätestens als wir das erste ausgeraubte Nest finden, beginnen wir zu verstehen, was hier passiert. Am Nest fragen wir
Leonarda nach den Eiern. Sie versichert uns, dass sich diese im Nest befinden. Da wir das nicht glauben (zu viele
Menschenspuren) lassen wir sie graben.
Natürlich war das Nest breits geplündert. Jetzt gibt sie zu, dass die Eier auf dem Markt verkauft werden.
Knut spricht daraufhin mehrere Eierdiebe an und erklärt, dass dies ein Naturschutzgebiet ist und
dass es irgendwann keine Turtles mehr geben wird. Wir erfahren sogar, die aktuellen Preise. 12 Eier für etwa 2 US$.
Insgesamt treffen wir in diesen 4 Stunden Fußmarsch auf ca. 30 Diebe auf einer zurückgelegten Strecke von ca 13km an.
Der Schildkrötenstrand bei Tag
Enttäuscht beschliessen wir diese Nacht nicht hier im Zelt zu verbringen.
Am nächsten Morgen fahren wir zur Rangerstation, um zu erfahren, was hier genau passiert.
Der Nationalpark wird vermutlich sogar durch die EU gesponsort (unser blaues Enblem thront über 3 Kübeln zur
Mülltrennung). Eier dürfen normalerweise nicht verkauft werden.
Angeblich dürfen im August Eier gesammelt werden. Danach werden die Eier von den Rangern geschützt.
Für uns klingt das alles sehr unglaubwürdig. Die Jungs die Knut angesprochen hatte, haben davon nichts
gewusst. Im Gegenteil. Es scheint absolut normal, auch Tradition und mit Sicherheit auch Broterwerb armer Familien.
Wir werden das im Nachgang weiter verfolgen.

Der Vulkan am Ende der Welt oder Walking with Jesus

Am westlichsten Ende Nicaraguas erhebt sich über dem Golf von Fonseca in Sichtweite zu Honduras und El Salvador
der einst größte Vulkan Mittelamerikas, der Cosigüina. Bevor er 1835 explodierte, soll er um die 3000m hoch gewesen sein,
wovon heute gerade 850m übrig sind.
Die Explosion war so gewaltig, dass die Asche in Jamaika niederging und im Umkreis von 150 km das Tageslicht verdunkelte.
Am Ende der Welt finden wir unglaublicherweise das Redwood Beach Resort von Stacy und Mike. Nette Anlage in
außergewöhnlicher Lage. Geheimtipp.
Da wir eine Basisstation für die Vulkanbesteigung brauchen und auch keine weiteren Informationen zu Auftstiegsrouten
haben, bleiben wir in dieser Bastion der Zvilisation im Nowhere. Mit dem Fotograf John sind wir fast wie Privatgäste.
Unsere teuerste Unterkunft in Nicaragua.

Abends besteigen wir unseren 4x4 und machen uns am Strand des Naturschutzgebietes Estero Padre Ramos auf die Suche nach
Meeresschildkröten, die ebenfalls die hiesigen Strände besuchen. Diesmal sind wir gegenüber den heimischen Eierdieben
technisch ganz klar im Vorteil, denn wir sind schneller als Pferde oder Fahrräder. Unsere Chancen steigen, eine
Schildkröte vor den Locals zu entdecken. Und tatsächlich finden wir nach über einer Stunde die Spur aus dem Wasser.
Die Turtlemama ist gerade am Loch graben. Mit den Hinterbeinen wird wie mit einer Schaufel ein ca. 45cm tiefes Loch
gegraben und danach beobachten wir die Eiablage.
Nach dem Legen der Eier wird das Loch wieder verschlossen, die Stelle rundeherum aufgewühlt und dann wird der Sand mit
Bruststößen komprimiert. Wir folgen der Schildkröte auf ihrem langen, stillen Weg in Wasser zurück... bis sie in die
Wellen abtaucht. Ein unbeschreiblicher Augenblick.


Wir sichern uns die 73 Eier und vergraben sie an anderer Stelle. Irgendwie haben wir das gute Gefühl, dass dieser
Nachtausflug mit vielen Sandflohbissen nicht umsonst war.
Nachtrag: Dieses Erlebnis war der Ursprung des Meeresschildkröten Schutz Vereins MSV Nicargaua.


Mike stellt uns Jesus vor, der unser Guide sein soll. Wir checken die üblichen Randbedingungen ab.
Wie lange dauert die Anfahrt mit dem Auto, wie lange wird der Aufstieg dauern, Schwierigkeitsgrad usw.
Nach Aussage unseres Guides dauert alles zusammen (Anfahrt 1h, Aufstieg 1h) mit Pausen und Kraterrundgang
3 Stunden Gehzeit also zusammen max. 5 Sunden.
Die Anfahrt gestaltet sich bereits abenteuerlich. Der Weg ist während der blätterarmen Trockenzeit sicher befahrbar ...
aktuell haben wir während der Regenzeit eine Trockenphase von 3 bis 4 Wochen mit wenig Regen. Der Weg ist aber aufgrund von
mannhohen Planzenwuchses meist nicht erkennbar. Wir machen uns Sorgen, da Kratzer am Mietwagen unausweichlich
scheinen. Das Grün macht aber erstaunlich freimütig Platz und der Suzuki arbeitet sich brav durch den Busch.
Der Aufstieg gestaltet sich von Beginn an ungewöhnlich. Ein richtiger Weg ist nur die ersten Minuten erkennbar.
Jesus arbeitet sich mit der Machete voran. Teilwiese verschwindet er im Dickicht.
Wir kommen aber problemlos nach ca. 1,5h am Kraterrand an. Es ist extrem heiss, der Wind an der Kante des Kraters
kühlt erstmals ein wenig ab. Die Aussicht in den 500m tiefer gelegenen Kratersee ist atemberaubend.
Wir schauen auch nach Honduras und El Salvador, wo weitere Vulkane sichtbar werden und umrunden den Krater bis zur Hälfte immer
entlang des Abgrundes. Da das Trinkwasser merklich weniger wird, entscheiden wir uns für den Rückweg.
Dabei wird uns wird schnell klar, das Jesus einen anderen Rückweg wählt.
Wieder ist kein erkennbarer Trail vorhanden und Jesus bahnt sich seinen Weg durch das Gestrüpp.
Irgendwann wird uns bewusst, dass er sich verlaufen hat. Wir müssen Lavarinnen mit Steilwänden von 7 bis 15 Metern
Höhenunterschied durchklettern. Teilweise krabbeln wir durch das Dickicht bei ca. 38 Grad Celsius und entfernen uns doch
immer weiter vom Standort unseres Autos. Als wir einem ausgewaschenen Wasserlauf in einer ehemaligen
Lavarinne folgen, wird aufrechtes Gehen möglich. Reifen- und Pferdespuren, abgekaute Melonenschalen - echte Lichtblicke.
Früher oder später werden wir die Zivilisation wieder erreichen.
Das Wasser rationieren wir schon lange, aber irgendwann kommt der letzte Schluck.
Wir sind jetzt seit über 6 Stunden unterwegs. Jesus schwächelt und bekommt Probleme unser Tempo zu halten.
Jesus durchgeschwitzt Am Kraterrand
Nach 7 Stunden finden wir eine Familie und bekommen das nötige Nass. Jesus macht sich nach einer kurzen Pause
auf den Weg zum Wagen. Derweil freunden wir uns ein wenig mit der Familie an. Sie ernten und verarbeiten gerade Mais.
Wir werden von ihnen zu einem evangelischen Gottesdienst unter einem Strohdach eingeladen. Einlicke in ein sehr
bescheidenes, mühsames aber zufriedenes Leben.
Als Jesus kommt verabschieden wir uns rasch und machen uns auf den Weg. Er hat unterwegs wohl einen kleinen
Unfall gebaut und eine Beule hinterlassen, aber wir gehen darauf erstmal nicht ein, da es ihm nicht besonders gut geht.
Unterwegs müssen wir anhalten, da unser Guide Magenprobleme hat. Nach 10 Stunden sind wir wieder bei Mike und stacy und
ein kühles Bier,leckerer Fisch und der idyllische Platz lassen die Strapazen vergessen.
Fazit: Ein toller Vulkan mit riesiger tief gelegenen Lagune und einem tollen Blick über den Golf von Fonseca. Besser
in der Trockenzeit zu besteigen, wenn der Wachstumsdrang der Pflanzen weniger Nahrung erhält und so ein Weg möglich ist.

Am nächsten Tag repariert Knut den Wagen und poliert einige Kratzer im Lack heraus. Wie sich im Nachinein herausstellt
so gut, daß die Autovermietung keinen Schaden erkennen kann und wir unsere Kaution wieder bekommen. Außerdem genießen
wir noch einen ruhigen Lesetag an diesem einsamen Strand im letzten Zipfel Nicaraguas. (Lesetipp: Gioconda Belli,Romane
Biografie, viele Infos über das Land, die FSLN und die sandinistische Revolution)

Abends fahren wir wieder Patroullie kommen aber zu spät ... eine Turtle legt bereits Eier und der Eierdieb wartet
bereits. Wir müssen heute die Eier abkaufen. So lautet das ungeschriebene Gesetz. Insgesamt sind es 123 Eier. Kurz
darauf werden uns weitere 49 Eier angeboten, die wir auch erwerben. Heute legen wir also 2 Nester an. Wir hoffen, dass
ein paar Schildkröten groß genug werden, um sich vermehren zu können. Unser kleiner Beitrag.

Wir erfahren, dass am anderen Ende des Nationalparks ein Amerikaner namens Dennis lebt, der sich für diese Meereslebewesen
einsetzt und wir beschließen ihn zu besuchen. Dennis ist ein interessanter Bursche und zeigt uns das Grundstück, auf
welchem er eine kleine Station aufbauen will, wo die kleinen Panzerwesen ungestört schlüpfen können. Wir gewinnen
Vertrauen in Dennis und werden ihn von Deutschland aus unterstützen - siehe auch: Meeresschildkröten Schutz Vereins MSV Nicargaua.

Vulkan Masaya

Nach einem netten Abend in der einfachen Rancho Tranquilo bei Tina und Dennis beginnen die letzten Tage in Nicaragua.
Wir beschließen nach einem letzten Sprung in den Pazifik direkt nach Granada zu fahren, um dort den "Abschiedsabend" zu
verbringen.
Masaya im Abendrot mit Schwefelwolke
Als wir bei bestem Wetter Managua problemlos durchquert haben und am Vulkan Masaya vorbeidüsen, beschließen wir spontan
dem Vulkan noch einmal einen Besuch abzustatten. Durch Zufall können wir uns der Abendtour anschliessen, um in den
glühenden Schlund zu blicken.
Bevor die Schwefelgaswolken trotz Atemmasken den Aufenthalt unmöglich machen, sehen wir für ca. 30 sekunden in das
rotglühende Lavaloch. Hat sich gelohnt noch einmal herzukommen. Eine kleine Entschädigung für den wolkenverhangenen
Arenal in Costa Rica.

Die letzten 2 Nächte verbringen wir wieder im schönen Hotel Patio del Malinche in Granada. Leider bekommt Susan hohes
Fieber wahrscheinlich aufgrund einer verschleppten Nebenhöhlenentzündung. Doc Bianco macht eine Visite. Zum Glück
sprechen die Medikamente rasch an und Susan ist bereit für den Rückflug am nächsten Morgen.(... und kein Dengue, keine
Malaria und auch keine Schweinegrippe :-) )

Fazit Costa Rica:
Ideales Reiseland für Jedermann. Teilweise hat die Tourismusindustrie schon ein wenig zu sehr Disneyland geformt.
Schöner grüner Flecken Erde, viele Tiere.

Fazit Nicaragua:
Tolles, rauhes und eigenwilliges Land mit interessanten, netten Menschen und faszinierenden Landstrichen.
Für uns das Land der Vulkane, ein Land mit Charm, Charakter und bewegter Geschichte. Vielleicht nicht unser letzter
Aufenthalt hier, allein wegen der Meeresschildkröten.

 

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