3. REISEBERICHT Bohol - Camiguin

Bohol

Wir senden Grüße von der Insel der sieben aktiven Vulkane Camiguin (Weltrekord). Das ist eine der eher Kleineren, bereits unweit von Mindanao. Mit großer Sicherheit unsere südlichste Versuchung auf den Philippinen (Entführung ist nicht in der Reiseplanung enthalten). Unser Inselhüpfen auf den Visayas setzt sich also im Anschluss an Siquijor auf Panglao Island und Bohol fort. Eine Fähre bringt uns von Siquijor nach Tagbilaran auf Bohol. Die Tricyclefahrt über eine der Brückenverbindungen beendet den Reisetag.

Der weiße Alona-Beach auf der vorgelagerten Insel Panglao mit wieder etwas mehr touristischem Leben wird nach einer netten Herberge abgesucht. Im Oasis Resort mit einem schönen Garten fühlen wir uns wohl. Tauchen, Lesen, Schwimmen, Sonne und Strand, in gemütlichen Strandbars hocken - harter Travelleralltag eben.

Lesetipp: Die Geister von Manila. Gut zum Nachdenken über das eigene Leben. Viele Eindrücke und Episoden anderer Leben und Facetten Manilas.

Seafood lassen wir uns mal im Mantel deutscher Küche von Jörg servieren. Ein Spitzenkoch, wie wir erfahren, der auch schon für die gehobene Cuisine in Manila tätig war, hat hier erstmals sein eigenes Geschäft eröffnet - erstklassig.

Aber so langsam brauchen wir doch eine echte Herausforderung. Der kleine Flieger von MidSeaExpress fällt leider für den nächsten Flugtag nach Camiguin aus und auch die Fährverbindung von Jagna in Richtung Camiguin soll teilweise unterbrochen sein.
Ein privat organisierter Autotransport mit Halbtagesausflug auf Bohol inklusive ist abgeklärt und wir lassen uns von dem kommenden Tag einfach überraschen.

Auf Bohol leben noch einige der kleinsten Primatenart, die Tarsiere, bei uns auch Koboldmakis genannt. Sie sind eine sehr alte Tierart und jetzt vom Aussterben bedroht. Eigentlich wollen wir eine Aufzuchtsstation dieser Winzlinge besuchen, landen aber in einem privaten Gehege. Wir können die goldigen Kerle mit ihren rießigen Augen aus nächster Nähe beobachten. Artgerechte Haltung dieser nachtaktiven Spezies dürfte sich allerdings anders gestalten. Einer wirkt sogar am Zweig angebunden. Diese Diskussion hier zu beginnen, ist wohl aussichtslos. Tiere dienen hier erstens der Ernährung und in diesem Fall als kleiner Nebenverdienst (vermutlich auch für den Fahrer, der uns nicht versehentlich hier absetzt). Unser Verhältnis der Tierwelt gegenüber, natürlich auch aus einer gesicherten Existenz heraus, ist da ein völlig anderes. In einem weiterem Gehege hängen auch sogenannte Fliegende Lemuren (es sind aber keine Primaten), die nur Häute für eine Art von Gleitsprung haben, also keine aktiven Flugbewegungen vollziehen können. Erinnerungen an Eichhörnchen. Noch nie gesehene Gestalten- merkwürdige Tiere. Laut Interetrecherche handelt es sich um Colugos, Philippinische Gleitflieger. Die 30 bis 40 Zentimeter großen Tiere gehören zu den größten gleitenden Säugern überhaupt. Sie sind überraschnender Weise evolutionsbiologisch mit uns relativ nah verwandt.



Es geht weiter zu den Chocolate-Hills, die geografische Attraktion dieser Insel. In einem Gebiet von 50 Quadratkilometern befindet sich eine Formation von über 1200 30m -120m hohen Kalksteinhügeln. Ein bißchen wie bei den sieben Zwergen, hinter den hier vielen kleinen Bergen. Die geologische Entstehung ist nicht wirklich nachvollziehbar, die Legenden darüber schon eher ... es sollen die Tränen eines Riesen wegen einer verlorenen Liebe sein.



Heute haben wir scheinbar Glück. Als wir in der Hafenstadt Jagna einfahren, steht die Fähre nach Camiguin bereit ... letzten Berichten zu Folge, war sie fahruntüchtig. So sparen wir uns die übernachtung und geniessen die vierstündige überfahrt mit herrlichem freien Blick auf die Vulkane Camiguins, deren Konturen sich im Dunst allmählich abzeichnen.



Camiguin:

Diese kleine Insel verfügt insgesamt über mehr als 13 Vulkane. Wir haben uns die Camiguin Action Geckos als Bleibe gewählt und werden nicht enttäuscht.
Ein Video und zur Webseite:

Wir machen erstmal eine Inselüberquerung (6km) zum "Warmlaufen" mit Knuts Sprung in einen schönen Wasserfall, dem Tuasan Falls.



Ein Jeepney bringt uns auf die andere Inselseite zurück. Später begleitet uns unser Guide noch zu dem sonntäglichen Hahnenkampf ... eine krasse Erfahrung.



Die Besitzer peppeln ihren Kampfhahn 2-3 Jahre lang auf, trainieren ihn und innerhalb von wenigen Sekunden kann der Kampf und das Leben vorbei sein. Meist endet er danach im Suppentopf. Mit Metallklinge bewaffnet gehen jeweils die beiden Hähne aufeinander los und die philippinischen Männer flippen dabei förmlich aus. Wie das Wettsystem funktioniert, erschließt sich uns nicht wirklich. Auf jeden Fall verliert ein Hahn auch dann, wenn er wegläuft, obwohl der andere total erledigt ist.
Leider können wir kurzfristig nur zwei Nächte im schönen Resort der Action Geckos bleiben und schlagen unsere "Zelte" für zwei Tage im eher bescheideneren Nachbarresort auf. Nach einem eher mässigen Tauchgang mit eher schlechter Sicht am Dive-Spot Old Volcano verbringen wir den Nachmittag mit Faulenzen, Lesen und mentaler Vorbereitung :-).

Morgen steht die Besteigung des Hibok-Hibok auf dem Programm ... ein aktiver Vulkan (letzter Ausbruch 1951 und dabei hat er viel Unheil angrichtet).

4.50 Uhr - der Wecker klingelt.
5.30 Uhr Tee, Kaffee und Sandwich.
5.45 Uhr Abfahrt.
6.00 Uhr Start an den Ardent Hot Springs, über 1100 Höhenmeter sind zu überwinden. Unser Guide Bebok geht voran.



Nach wenigen Metern beginnt der Einstieg in den Wald und ein erster steiler Anstieg fordert die noch müden Knochen und Muskeln. Es ist schwül. Viel grünes buschiges Gehölz mit verschiedene Farnen und Cogongras durchsetzt begrenzt den schmalen Pfad und schleift an unseren Armen entlang. Der zweite eher leichter, aber trotzdem stetig ansteignde Abschnitt läßt kurzfristig ein Wandergefühl aufkommen. Nach etwa 1 1/2 Stunden und einer Rast an der Seismologischen Kontrollstation beginnt der wirkliche Aufstieg. Wir brauchen weitere 2 Stunden. Es wird zunehmend steiler. Der Untergrund ist steinig bis felsig und erdig/sandig durchsetzt. Der Trail läßt sich soweit gut bewältigen, da es in den letzten Tagen nicht viel geregnet hat. Die Äste und Wurzeln der Bäume sind zum Festhalten und Hochziehen sehr hilfreich. Ab und zu wird ein toller Blick auf die vorgelagerte Sandbank White Island möglich. Das Wetter spielt mit. Knut schwitzt tierisch. Alles nass vom Kopf bis zu den Fußzehen. Irgendwann wringt er sich die Socken aus, da von den Schuhen bereits schlüpfrige Geräusche zu hören sind. Der Weg kennt keine Gnade. Wenn die Idee autaucht, dass es steiler nicht geht, lehrt uns der Berg etwas anderes. Gefühlt fast senkrecht kraxeln wir weiter. Es wird geringfügig kühler, feuchter, moosiger und wir dringen in die Wolkenzone vor. Kleinere Farne, Bärlappe, Flechten an den Ästen der Bäume - eine schmale Nebelwaldzone wird noch durchstreift und wir erreichen den Summit. Schnelle kleinere Wolkenformationen taumeln um den Gipfel aber immer öfters reißen sie auf und der Nordteil Camiguins liegt uns zu Füßen. Ein Geburtstagsgeschenk für Susan mit Minikuchen und Kerze vom Guide erfeut das Herz. Lohnenswert.



Für Blicke nach Bohol oder anderen Inseln ist es zu diesig. Foto- und Brotzeit. Ein paar Meter weiter erhaschen wir noch einen Blick in einen kleinen Kratersee bevor zum Abstieg geblasen wird. Der Rückweg gestaltet sich einfacher als gedacht, da wir uns an den Bäumen, ihren Ästen und anderem Gestrüpp regelrecht nach unten hangeln können. Tarzan lässt grüßen. Knieschonend aber mit dafür vollem Körpereinsatz. Trittsicherheit und Konzentration sind gefragt. Ein Sturz wäre hier nicht unkritisch. Als wir etwa 14.00 Uhr wieder am Startpunkt ankommen, laden die "Heissen Quellen" des Vulkans bei 39°C zum Erholen ein. Das tut gut.



Susan: Insgesamt trotz allem für mich eine der entspanntesten Besteigungen eines Vulkans. Erfahrung, Untergrund, Tempo, Wetter - perfek t- wie für eine alte, zähe "Bergziege" geschaffen.
Knut: Aufgrund der Hitze gefühlte 10 Liter getrunken und aus den Socken kam mindestens die Hälfte wieder heraus :-). Der Wille zählt. Diesmal besiegt der Kopf den Berg.

Ein blütengeschmücktes Candlelight-Dinner am Strand mit dem unglaublichen Sternenzelt über uns (der grosse Wagen sinkt zwischen Vorspeise, Hauptgang und Dessert allmählich) beendet diesen unvergesslichen 19. Juli 2011. 43 Jahre, Halbzeit? - na mal sehen was das Travellerleben noch so bereit hält. Solche Tage sind besondere Geschenke, das wissen wir.



Ausschlafen ... die geschundenen Körper verlangen nach Regeneration, umziehen wieder zurück zu den Gecko´s natürlich. Ein weiterer Tag, mal ein Regentag, läd Knut zu 2 schönen Tauchgängen am Divespot White Island mit vielen Korallen ein. Ein ursprünglich geplanter Boottrip zur Insel Mantique mit Grillen am Strand, Tauchen oder Schnorcheln wird abgesagt. Susan genießt die Stunden derweil mal ganz relaxt auf der Veranda unseres schönen Cottage - Besinnungszeit.

Mopedtour und Mantigue Island On the Road again - mit dem Moped geht es heute um die Insel. Als wir am Ablegepier zur Insel Manigue vorbeidüsen, entschließen wir uns sehr schnell mit dem Boot überzusetzen. Der Blick hinüber ist zu verlockend. Der Special Trip kostet 550 Peso (ca. 9 EUR). Die Insel lädt zum hervorragenden Schnorcheln ein. Leider ist nach einem kurzen Rundgang um die Insel inklusive Besuch des Fischerdorfes unser Boot verschwunden. Soviel zum Spezialtrip. Wir warten eine Stunde, bis wir wieder übersetzen können.



Die Stunde fehlt uns nun zur weiteren Erkundung. Daher hängen wir noch einen Mopedtag dran und umrunden die Insel in umgekehrter Richtung noch einmal. Dabei besuchen wir die Ruine einer alten spanischen Kirche, die beim Ausbruch des Old Volcano 1871 komplett in Lava und Asche versunken war, sowie den versunkenen Friedhof, der durch ein großes Kreuz im Meer markiert ist. Durch den Ausbruch von 1871 wurde dieser Landabschnitt abgesenkt und verschwand unter die Wasserlinie des Meeresspiegels. Ein weiterer interessanter Besuch im Süden der Insel, sind die Riesenmuscheln ... bis zu 1,5 Meter lang.



Am Abend treffen wir uns mit Bebub, unserem Vulkanguide und seiner Familie, zum Abendessen in deren Haus. Es gibt leckeres Curry und gegrillte Spieße ... es wird ein sehr fröhlicher, für uns auch nachdenklicher Abend, den wir dann noch im Paraiso mit Livemusik und einem heißen Dance abschließen.



Wir verabschieden uns von Michelle und Uli, vom Action Geckos Resort und fliegen mit einer kleinen 8- Passagier- Maschine in Richtung Cebu ... doch davon mehr im nächsten Bericht.

Fazit Camiguin:
Tolle Vulkaninsel, super nette Menschen und eine klasse Unterkunft ... können wir sehr empehlen.


Mittlerweile sind wir schon wieder in Manila und fliegen morgen nach Peking ... von unseren Erlebnissen dort und von Cebu-City sowie der vorgelarten Orlango Island berichten wir im nächsten Bericht.

Susan und Knut

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