Dies ist der dritte Reisebericht 2013 - diesmal bereits aus Guatemala.

Zuletzt beschrieben wir die Ankunft in der Maya-Ruinenstadt Copan, Honduras. Wir verlieren Höhenmeter und die Umgebung wird trockener, die Vegetation ändert sich.
Das gemütliche Städtchen gefällt uns sofort.
Nach der Unterkunftssuche und einem leckeren Abendessen mit Rindfleisch zieht es uns am nächsten Morgen zu der, nach Tikal in Guatemala, offiziell zweitwichtigsten Mayastätte.

Copan Tag 1:
Wir sind kurz nach der Öffnung da und können in vollkommener Ruhe erste Eindrücke wahrnehmen.  
Schon am Eingangstor erwarten uns die großen bunten Aras (Scarlet Macaw), die hier wieder angesiedelt werden sollen.

Die Mayas von Copan verwendeten diesen Vogel auf  vielen ihrer Abbildungen, Stelen und bildhauerischen Gewerken und er war scheinbar wichtiger als der oft als Motiv vorkommende Jaguar.
Der riesige Eingangslatz liegt inmitten eines großen Baumbestandes und gibt den Blick auf den ersten kleinen Tempel und viele  Stehlen frei. Sehr beindruckend.
Hier sollen 6000 Menschen bei Zeremonien Platz gefunden haben.
Das besondere an Copan sind die sehr plastischen dreidimensionalen Reliefs und die in dieser Häufigkeit nur hier vorkommenden Stelen.
Auch der Ballspielplatz hat hier eine Auffälligkeit.
Die Vollgummibälle aus Kautschuk mussten hier durch keine Löcher gespielt werden. Stattdessen zielte man auf Steintafeln mit Ara-Gesichtern.
Es wird mit hoher Sicherheit angenommen, dass die unterlegene Mannschaft direkt geopfert wurde.
Das gibt den Begriffen Endspiel, Entscheidungsspiel oder Finale eine neue Bedeutung (wenn ich  so an meine Alt-Herren-Mannschaft denke). Diese Spiele hatten allerdings vermutlich eine rituelle Bedeutung.
Wir besuchen auch die für Touristen zugänglichen von Archeologen gegrabenen Tunnel ... Sauna inklusive (Extraticket lösen). Rosalila wird der Tempel unter dem Tempel genannt. Er stammt aus einer Zeit um 500 nach Christus. Spätere Herrscher dieser Dynastie in Copan (700 n. Christus) haben weitere Tempel einfach darüber erbaut, allerdings ohne Zerstörung des alten, sehr bemerkenswert.
Insgesamt sind wir 7 Stunden mit kleiner Mittagsrast unterwegs, nehmen uns immer wieder Zeit die Umgebung auf uns wirken zu lassen.
Unterschiedliche Tageszeiten, Lichteinfälle und damit neue Sichtweisen. Besondere Momente. Fast Ewigkeiten her, vor 12 Jahren waren wir im einzigartigen Tikal ... Bilder tauchen auf. Auch unser Dasein ist nur endlich.

Copan Tag 2:
Heute steht das Museum an.
Im Inneren wird der von der späteren Epoche überbaute Tempel Rosalila als Nachbau präsentiert.
Die Stuckarbeiten und Farben lassen ihn eindrucksvoll wieder erscheinen.
Auch die anderen, meist originalen Austellungsstücke Stelen, Skulpturen, Hieroglyphen usw. beeindrucken uns sehr. Dieser Rahmen ermöglicht den Blick für das Detail. Die Kunstfertigkeit begeistert.
Nach einem kurzen Mittagssnack lassen wir uns von einem Tucktuck (Motordreirad, Asien ist auch hier angekommen) zum nahe gelegenen Las Sepulturas fahren.
Hier sind die Ruinen der Mittelschicht dieser Hochkultur zu bewundern.
Mehr oder weniger unabsichtlich treffen wir auf Jesus, der uns als versierter Führer ungefragt adoptiert und begleitet.
Gebäude von Schreibern, Architekten, Handwerkern, Jägern, Künstlern, Schamanen bzw.Medizinmännern immer mit  unterschiedlich großen Haupt- und Nebengebäuden um einen Art Patio mit gemeinsamer Küche. Polygamie war wohl angesagt. Meistens wurden die Toten im Haus in einer kleinen Gruft begraben, neben oder unter den Schlafgemächern. Es gibt viele winzige Babygräber. Etwas befremdlich.
Wir haben bislang in anderen Mayastätten nur große Tempel aus den Regierungs- oder Zeremonienbereichen kennengelernt.
Copan bietet wirklich mehr.
Am Hotelpool bereiten wir uns aufs Abendessen vor, Aperitif gefallig?  

Copan Tag 3:
Wir entschließen uns noch einen Tag dranzuhängen und etwas zu entschleunigen. Es ist richtig schön hier.
Ein Besuch des kleinen Museums am Zentralplatz in Copan mit Keramiken, Schmuck und natürlich Stelen beschließt den Kulturteil.
Außerdem ist heute Mittwoch - der deutsche Thomas öffnet wieder (nach 2 Ruhetagen) seine Kneipe mit selbstgebrautem Bier. Das Malz stammt aus Bamberg. Die Säcke lagern noch der Tür.
Nach Stadtrundgang, Poolbesuch und Entspannung wird es ein lustiger und lauter Abend mit Schweinebraten, Spätzle, Kartoffelsalat und lecker Bier. Viele Einheimische. Wir treffen Mitreisende vom Yojoa See, die Jungs und das Mädel aus der Niederlande, Belgien, England, Südafrika.
Selbst die rustikalen Tische und Bänke sind aus Deutschland und erinnern an eine Dorfkneipe im Odenwald.

Rio Dulce - Guatemala:
Trotzdem, wir ziehen wieder weiter. Der Norden von Honduras gerät in unseren Fokus. Aber eine kleine Schleife über Guatemala ist zeitmäßig möglich und verspricht interessante Gegenden.

Der Grenzübergang ist absolut problemlos und zügig.
Die Fahrt von Copan nach Rio Dulce in Guatemala mit den lokalen Transportangeboten gestaltet sich erneut spannend.
Mit 182 cm und 100kg ergibt sich auch immer wieder eine Quetschmöglichkeit um den Gringo zu quälen.
Gelächter der Insassen inklusive. Susan passt ja in jede sich bietende Nische ohne größere Schwierigkeiten.
Wir kommen am späten Nachmittag im etwas außerhalb gelegenen Tortugal, am Rio Dulce unter.
Ach es ist ja  Regenzeit, hatten wir fast vergessen. Der Himmel öffnet am Abend seine Pforten und es prasselt heftig bis in die Nacht hinein auf das Dach unserer Behausung. Als so langsam der Morgen dämmert, beginnen die Vögel ihr Tageswerk mit viel Gesang. Unruhige Stunden.

Wir entspannen den nächsten Tag in unserer netten Unterkunft, Casa Elegante, mit Lesen und Reisebericht schreiben.
Unsere Hütte liegt direkt im Schwemmland des Flusses. Vogelbeobachtung. Die zweite Nacht wird angenehmer, man gewöhnt sich an alles.


Am nächsten Morgen geht es per Boot nach Livingston, einem kreolischen Dorf an der Karibikküste.
Die Fahrt geht erst ein kurzes Stück südlich, zu dem zum Schutz vor Piraten gebautem alten Ford, am Izabal See. Dann schippern wir wieder Richtung Norden in den Rio Dulce hinein.
Eine sehr nette Fahrt mit einem Stop an den heißen Quellen, einem Seerosenfeld und schließlich durch den immer enger werdenden Fluss, der sich zum Ende hin canyonartig umrahmt zeigt.
An steilen Abhängen gibt es Reste von Tieflandwald, nur dort wo der Mensch wirklich nicht hingelangt. Der Flussverlauf mündet in einer großen Bucht.
Hallo Karibik.
Eine Gruppe von Pelikanen segelt heran, immer der Wasserlinie folgend, schweben sie auf einer Ozeanbrise.  Livingston kann übrigens nur über den Wasserweg erreicht werden.

Livingston:
In Livingston machen wir erstmal Halt im Restaurant von Mamma Buga und Knut schaut sich alle Unterkünfte in der Umgebung an. Casa Iguana, eine Backpackerunterkunft ist uns zu dunkel und zu laut, das Delphinos ist ok, aber nichts Besonderes für den Preis, das Casa Rosada ist sehr nett und sympathisch hat aber keine Unterkünfte mit eigenem Bad frei
...  am Ende landen wir in der Villa Caribe, dem besten Platz vor Ort mit schönen Zimmern, Pool und einem guten Restaurant mit unschlagbarer Lage. Wir lassen es auch eher ruhig angehen, ganz dem Lebensmotto hier, schlafen, genießen den Seeblick und planschen im Pool.


Es soll hier zwei nette Strände geben ... da am Ende des Playa Quehueche ein toller Wasserfall aufwartet, entschließen wir uns für diesen ... per Taxi 10 Minuten.
Erschreckend ist der Zustand des Strandes. Wie fast überall in den letzten Jahren, sehen wir umgestürzte Palmen im Wasser liegen. Auch hier verleibt sich das Meer immer mehr Land ein ... von Strand kann kaum noch eine Rede sein.
Das Wasser reicht direkt an die Bäume heran ... zudem müssen wir uns durch Berge von Plastik und anderem Dreck quälen.

Das ist kein entspannter Strandgang.

Auf dem Weg überholen wir 3 ältere Herren, kommen mit diesen ins Gespräch ... sie begleiten uns bis zum Eingang des Wasserfalls (so müssen wir auch keinen Eintritt zahlen).
Die Los Siete Alteres (Sieben Altare), kaskadenartig angeordnete Steinbecken liegen wunderbar im Wald und führen stufenartig weiter den Fluss hinauf.
Am Ende wartet ein Wasserfall mit Naturpool, die willkommene Abkühlung.

Trotz Müll ein empfehlenswerter Ausflug.

Wieder am Eingang treffen wir unsere Herren in bester Bierlaune und kommen bei dem einen oder anderen weiteren Kaltgetränk immer besser in Gespräch. Ihrerseits einige Brocken Englisch, unsererseits ein paar Brocken Spanisch. Unglaublich was andere Körperteile sprachlich so drauf haben.
Allesamt Rentner, die sich seit der ersten Klasse (Guatemala-City) kennen und nun zeitweise hier zusammen am Strand leben. Arturo, Rudolfo und Moses sind so um die 70 Jahre alt.

Im Seniorenheim am Strand:
Als wir gemeinsam aufbrechen, kommen wir an ihrer "Seniorenresidenz" vorbei und werden eingeladen. Eine  krasse Hütte -Männerwirtschaft eben. Ein weiterer Gast, ein 77-jähriger gesellt sich noch zu uns.
Wir haben viel Spaß miteinander. Avocados, Wassermelonen und Kokosssaft mit Rum sorgen für Stimmung. Die Familie von nebenan kocht scheinbar für die Wohngemeinschaft. Hühnchensuppe mit Reis -sehr schmackhaft.
Bevor sich die Sonne verabschieden will, brechen wir auf ... ein verschmutzter Strand sieht jetzt gar nicht mehr so schrecklich aus :-)
Abendessen im Hotel - die typische Meeresfrüchtesuppe mit Kokosmilch- lecker.

Guateamala -  Honduras:
Mit dem 11.00 Uhr Speedboot geht es bei einer angenehmen, recht ruhigen Fahrt entlang der Küste in Richtung Honduras.
Uns fallen die extrem vielen Wasservögel auf, die hier ihre Jagdgründe haben.
Seeschwalben, Pelikane, Frigatvögel, Kormorane in großer Zahl kreisen über uns und stürzen sich immer wieder ins Nass.
Wir kommen im großen Hafen von Puerto Barrios an. Die Hamburg liegt vor Anker und hat Container mit Chiquita geladen.
An der Mohle lassen wir uns zu einem Direkttransport nach La Ceiba für 50 USD überreden.
Die Fahrt in dem Kleinbus mit abgedunkelten Scheiben, in dem die zufällig zusammengewürfelte Gruppe (3 Amerikaner, 3 Mexikaner und 2 Deutsche) durch die Gegend heizt, bietet wenig. Viel zu schnell um irgendetwas von Land und Leuten  mitzubekommen. Doch,  Plantagen von Bananen, Tropenbäumen und natürlich Palmöl ( böse Erinnerungen an Borneo im letzten Jahr) ziehen wie im Schnelldurchlauf an uns vorbei.
So machen wir heute einen großen Sprug in Richtung der honduranischen Bay Islands ... nach einem tollen Abendessen (1x Rind 1x Fisch) in La Ceiba entschließen wir uns für die größte der Inseln ... Roatan.

Roatan:
Die Insel steht wie Copan als Hauptreiseziel vieler Hondurasurlauber auf dem Zettel. Sogar internationale Flüge landen auf diesem Eiland. Die meisten Urlauber kommen dann direkt in den Sterne-Resorts in West Bay unter.
Wir residieren am etwas nördlicheren Strandabschnitt Westend .. alles noch relativ beschaulich und der Nebensaison angenehm.
Die nächsten Tage verbringen wir mit Tauchen, Lesen, Inselerkundung per Moped, Whaleshark- und Fischfangtour Reisebericht schreiben und abendlichen Sundownern.

Weitere Informationen zu Roatan senden wir im naechsten Bericht

Bis dahin grüßen
Susi und Strolch
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