Zweiter Reisebericht: Nicaragua - Meeresschildkrötenprojekt


Uns Großstadtindianer zieht es nach den Städten Detroit und Chicago wieder einmal in den geruhsameren Westen Nicaraguas. Aufgrund negativer Erfahrungen während unserer Reise 2009 (seit über 20 Jahren sind wegen Entnahme der Eier durch lokale Wilderer/Bevölkerung keine Schildkrötenbabys geschlüpft), haben wir daraufhin den Meeresschildkröten-Schutz- Verein Nicaragua (www.msv-nicaragua.de) gegründet und sind seit 2010 vor Ort aktiv.
Die erste Nacht verbringen wir im Hotel direkt gegenüber des Flughafens (Las Mercedes) und bekommen diesmal einen schönen Bungalow (Nr. 196).
Eigentlich wollen wir am nächsten Morgen direkt mit dem Mietwagen nach Jiquillilo zu unserem Projekt im Padre Ramos Nationalreservat aufbrechen, aber Susans Schnupfen (Mitbringsel aus Michigan) verlängert unseren Aufenthalt um einen Tag und das nette Zimmer bietet die besten Heilungschancen. Einigermaßen fit "cruisen" wir mit unserem Kleinwägelchen nordöstlichlich des Managuasees entlang - viel Schotterweg aber mit tollen Blicken auf den Ring of Fire mit seinen Vulkanen. So grün kennen wir diese Region noch nicht. Die Regenzeit geht ihrem Ende entgegen. Viele Bäume und Büsche beginnen zu blühen. Fast lieblich für dieses doch rauhe Gegend.

In Chinandega wartet bereits Simone auf uns ... sie ist eine der Vorsitzenden des MSV und bereits seit 6 Wochen vor Ort im  Schildkrötenprojekt aktiv. Nach einem kurzen Einkauf fahren wir gemeinsam zum Strand von Jiquillilo und quartieren uns im Rancho Tranquillo ein. Das Wiedersehen mit Isabella, Mami, Bob und Arthuro ist wie immer herzlich, aber es schwingt auch etwas Trauer mit, denn Tina, die Eigentümerin der Rancho ist im April verstorben. Auch Dennis, ein Mitinitiator des Projektes, ist mittlerweile wieder zurück in die USA gezogen. Die Rancho hat durch starke Fluten enorm viel Land, wenn man es genauer betrachtet,  viel Sand verloren. Ein großer Steinwall soll ein wenig Abhilfe schaffen.
Vieles ist hier im Wandel ... die Aktivitäten des Vereins müssen sich entsprechend anpassen.  Naturschutz, speziell mit Meeresschildkröten, ist kein einfaches Unterfangen und kann nur auf lange Sicht und mit viel Kampfgeist erfolgreich sein.
Am ersten Abend feiern wir Isabellas Geburtstag - Simone kocht Gulasch mit Erbsen und Kartoffeln - ein Essen nach deutscher Art kommt bei allen gut an. Sehr lecker. Ein gemeinsamer netter Abschluss an der Bar lässt den Tag ausklingen. Alle warten gespannt auf das Schlüpfen der ersten Schildkrötenbabys dieser Saison.

Nach den Nistgehegebesichtigungen und Lagebesprechungen kocht Mami für uns am folgenden Abend. Es gibt Red Snapper gebraten mit Familienanschluss. Wie immer sehr gut. Die Enkel der Familie umringen uns. Durch Simones gute Spanischkenntnisse sind intensivere Gespräche möglich. Es wird viel gelacht und gegenseitiges Beobachten ist angesagt. Die Enten, Hunde, Katzen und Ferkel der Familie sind sehr an unseren Essaktivitäten interessiert. Ein völlig anderes Leben mit so vielen Menschen und Tieren auf relativ engem Raum. In solchen Momenten bin ich (Susan) gedanklich oft mit dem Vergleich dieser völlig verschiedenen Lebensumstände zu den unseren beschäftigt.

Abendessen mit Famiienanschluss  Abendessen bei Freunden

Eine Nacht im Redwood Beach Resort, am noch westlicher liegenden Strandabschnitt, mit tollem Sonnenuntergang und Strandspaziergängen lässt besonders Simone nach der harten Arbeit ein paar Stunden entspannen. Wir schauen uns ebenfalls hier das Gehege für die Aufzucht der Schilkröteneier an, welches bis dato vom Verein finanziell unterstützt wird.
Der Flußlauf neben dem Resort wurde verlegt, daher wird viel Sand angespült. Das Wasser hat in den letzten Tagen mit heftgen Stürmen viel Treibholz auf dem Strand hinterlassen. Die Menschen von Mechapa sammeln es als Brennholz. Watvögel tippeln im Strahlenkranz der untergehenden Sonne.

sonnenuntergang in Mechapa sonnenuntergang
Die Weckrufe am folgenden Morgen kommen von den kleinen grünen Papageien. Auf dem Rückweg nach Jiquillilo machen wir einen kurzen Abstecher an den Golf von Fonseca mit Mittagspeisung in Potosi. Die Vulkane von El Salvador und die Küste Honduras säumen den Horizont.
Endlich, die ersten Babys am folgenden Morgen. Nachdem Simone weitere "Geburtshilfe" leistet, können die ersten zehn Winzlinge in den großen Ozean entlassen werden. Bob, Austin und Knut versuchen sie in der großen Wanne über die ersten Riesenwellen zu tragen-schwierig. Ein schöner Moment für alle.

Einen weiteren Tag  verbringen wir mit Simone und Isabella (ein Novum für Isabella - sie macht mit uns dreien einen halben Tag Urlaub).  Wir erkunden die Strände in Richtung Chinandega und entdecken einen Yachthafen im Mangrovengürtel und einen verträumten Ort: Al Cielo auf einer Anhöhe mit Blick über die umliegenden Hügel. Ein Restaurant und wirklich schöne Cabanas gibt es hier auch. Wir sehen Oriole, Löffler, Störche, verschiedene Reiherarten und Watvögel, auch den Stilit. Wir lernen durch Isabella die Blütenpflanze Sesam kennen, die hier auf Feldern angebaut wird. Der Vorstand des MSV führt auch einige weitere Gespräche mit allen Projektbeteiligten, um erste Weichenstellungen für die nächste Schildkrötensaison einzuleiten.
Nach einer Woche verlassen wir beide unseren Schildkrötenstrand in Richtung Costa Rica. Simone wird noch weitere sechs Wochen an der Schildkrötenfront kämpfen.

Abzocke am Straßenrand
Unterwegs nach Managua werden wir dreimal von der Straßenpolizei angehalten. Einmal  fühlen wir uns auch etwas schuldig, da wir eine durchgezogene Linie überfahren haben, um auf einer Abbiegerspur einem bremsenden LKW auszuweichen (20 USD mit der Drohung einen abgelaufenen internatinalen Führerschein einzuziehen, leider inkl. der Zulassungspapiere der Autovermietung) und zweimal unter Vorwand fadenscheiniger Gründe (angeblich wieder überfahrene Linie, einmal wegen angeblich fehlender Distanz). Als Knut dann lauter wird, weicht auch der Druck der Polizisten und sie geben sich mit einer normalen Inspektion der Papiere zufrieden. Wenn die Polizei selbstfahrende Gringos im Straßenverkehr indentifiziert, wird scheinbar gnadenlos versucht abzuzocken. So krass haben wir das in Nicaragua noch nicht erlebt!

Granada
Da zwischenzeitlich wichtige Post für uns nach San José auf dem Weg ist und wir die Zeit überbrücken müssen, verbringen wir zwei Nächte im historisch schönen Granada und lecken unsere "alten" Travellerwunden. Ein Hotel mit diesen typischen Innnenhöfen/-gärten, Patio genannt, wird unsere Bleibe. Wir besuchen das Museum präkulumbianischer Fundstücke. Leider wird gerade komplett umgebaut ... aber dennoch lohnt sich der Besuch. Es gibt große Steinskulpturen, gefunden auf den Inseln im Nicaraguasee und 1000 bis mehr als 2000 Jahre alt und Tongeschirr mit indianischen Motiven zu bestaunen.

alte kirche in granada

Der Bus nach Costa Rica fährt glücklicherweise direkt über Granada - die Tickets werden im voraus gebucht und Tschüssi Nicaragua - wir berichten dann als nächstes aus Costa Rica vom wunderschönen Corocovada NP mit exotischen Vögeln und einem Tauchgang mit Haien.

Bis dahin
Susi und Strolch

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