Erster Reisebericht: Detroit - Chicago

Alle Bilder zu diesem Bericht finden Sie in unserer Bildergalerie.


Die große Reise beginnt

Bevor wir uns von Nicaragua nach Venezuela und in die Karibik aufmachen, führt uns der erste Teil unserer Reise eine Woche durch die USA.
Dieses Teilstück beinhaltet eineinhalb Tage Aufenthalt in Detroit. Anschließend fahren wir drei Tage über Land nach Chicago und lassen diese Metropole auf uns wirken.

Der erste Schreck
Rechtzeitig am Checkin erleben wir allerdings eine böse Überraschung, da DELTA uns aufgrund einer unzulässigen Flugkonstellation nicht umgehend einchecken kann.
Nach Rückfrage stellt sich heraus, dass sich ein Geisterflug in der Buchung befindet.
Wie konnte das passieren?
Die Flüge wurden bei Expedia gebucht, bei Air France eingekauft und von DELTA zum größten Teil durchgeführt. Hier kam es nach einer Flugänderung von DELTA zu Kommunikationsfehlern.
Sehr unangenehm für uns, da wir bereits lange vorher den Expedia-Support telefonisch auf diesen unstimmigen Flug aufmerksam gemacht haben. Fünf Minuten vor Checkin-Ende storniert DELTA diesen Flug und wir können doch noch unsere geplante Reise antreten. Schwitz.
Der Flug mit DELTA ist besser als erwartet, Essen und Service stimmen, tolles Medien-Angebot, insbesondere  die genialen Flug- und Karteninformationen, wenn gewünscht.
Wir starten von Frankfurt in nordwestlicher Richtung. Wolkenteppich. Kleinere Lücken geben Blicke auf die niederländische Nordseeküste frei. Es geht dann später, nach den Britischen Inseln immer entlang etwa dem 59. Breitengrad. Wir sichten später kleine Inseln vor Grönland und eisüberzogene Gebiete im Norden Kanadas.

Detroit - Das Leben in Planquadraten
Schon vor dem Anflug über die großen Seen kommen wir der karierten Landschaft entgegen. Vom Flughafen Detroits aus versuchen wir unser Glück mit dem Bus in die Stadt zu gelangen - laut Recherche soll das ca. 90 Minuten dauern ... es wird anders kommen.
Die Busstation ist lokalisiert und wir wollen unser Ticket beim Fahrer lösen, doch leider sind unsere 20 Dollarscheine zu groß und niemand hat genug Kleingeld zum Wechseln.
Wir sprechen einen Passanten nach Wechselgeld an und wir bekommen 5 Dollar in Quarters in die Hand gedrückt ... er sei mal in Deutschland gewesen und schenke uns das :-)
Also schnell in den Bus -  viele verschiedene Eindrücke:
Wir fahren durch die Vororte Detroits und unsere Mitfahrer mehren sich. Wirklich arme Menschen steigen ein, teilweise mit zerissener, sehr verschmutzter Kleidung. Fader urbaner Lebensraum ringsum. Aber man ist nett zueinander und wenn jemand keine Fahrkarte hat, zahlt einfach jemand anders. Es geht meist gerade aus.
An der Stadtgrenze müssen wir umsteigen, mitten in der Vorstadtödnis und warten ca. eine 3/4 Stunde auf den Anschluß. Fahrtzeiten sind unklar. Eine gefühlte Spätsommersonne scheint uns auf die Gesichter, Urin und Mariuana Gerüche umrahmen diesen besonderen Mischmasch an Impressionen. Erste Welt?An der Endstation in Downtown nehmen wir dann ein Taxi zu unserem ersten Motel-Erlebnis - das Shorecrest In. Die Lage am Riverwalk, die Nähe zu Greek Town und dem Zentrum sind hier die Pluspunkte. Ansonsten so naja. Das angebotene Frühstück, Kaffee mit fettigen Donuts ist ungenießbar. Direkt angeschlossen ist ein typisches Restaurant mit Burgern und zu unserem Glück auch mit Eierspeisen in jedweder Form, sodass unser Frühstück relativ gesichert ist.
Detroit lockt uns an diesem Abend noch - insbesondere kann man im nahegelegenen Greek Town recht leidlich essen. Wir stellen fest: Unter griechischem Essen verstehen wir in Europa allerdings auch etwas anderes. Formfleisch lässt grüßen.
Am nächsten Tag sind wir viel zu Fuß unterwegs: Riverwalk, Stadtwanderung, People Mover über der Stadt, Besuch im Casino (5 USD Gewinn an der Slotmachine inkl.) .
Detroit gefällt uns immer mehr. Die sehr wenigen Menschen im Verhältnis zur Stadtdimension und leerstehende alte, ehrwürdige Hochhäuser versprühen eine eigenwillige Atmosphäre.
Wir gehen einfach in das Penobscot Builiding, dass mit einem Pförtner besetzt ist. Einem erhabenen Eingangsbereich stehen geschmacklose Krämerläden entgegen. Wir steigen in irgendeinen Aufzug, drücken auf die die 32 und sind selbst überrascht, dass die Reise nach oben wirklos los geht.
Unbehelligt können wir durch die Etage schlendern, da gerade alle Räume umgebaut werden (oder eventuell auch schon wieder brach liegen). Spannende Aussicht. Wochenends ist scheinbar niemand vor Ort ist. Ein bisschen gruselig ist es schon. Es gibt auch ein altes Treppenhaus aus einer Stahlkonstruktion und in der Mitte abgetretene Holzstufen ... alles knirscht mit Blick nach unten. Die Eingangshalle, die Leuchter, ein eigenerer alter Briefkasten der U.S.Mail - alles allerfeinst in Marmor und Messing ausgeführt.


Detroit muss einmal hervorragende Zeiten erlebt haben - alles sehr beindruckend und traurig zugleich. Dieses Gebäude  wurde Ende der Zwanziger fertiggestellt, wie einige andere auch.
Das Stott-Hochhaus ist sehr grazil, turmartig gestaltet und fällt einem auch gleich im Stadtbild ins Auge. Von tollen Steinen ummantelt, wie übrigens viele dieser alten Giganten. Granit und Marmor prägen auch die Fassaden. Das Ford-Building ist noch ein Pflichtprogrammteil. Ein Blick nach Kanada ist ebenfalls in Detroit inklusive.

Mit dem Mietwagen nach Chicago.
Mit einen Jeep Patriot fahren wir Richtung Henry Ford Museum durch die Planquadrat-Peripherie Detroits und sehen viele verlassene, teilweise verfallene Holzhäuser - in der Bildergalerie sind die Eindrücke zu sehen.

Verlassene Häuser in Detroit
Ein Ergebnis von verschiedensten wirtschaftlichen Problembereichen u.a. auch das damalige Freihandelsabkommen mit Mexiko - TTIPP lässt grüßen.

Der Besuch im Henry Ford Museum ist beeindruckend. Tolle Autosammlung, riesige Dampflocks, die Wagen einiger amerikanischer Präsidenten und technische Anlagen aus der Dampfmaschinenzeit, Fluggeräte aller Art usw. .
Nach über 3 Stunden ist unsere Aufnahmefähigkeit allerdings völlig aufgebraucht und wir brechen auf - go west!

Über Highways und und vor allem Landstraßen cruisen wir und landen schließlich im Nirgendwo - in Battle Creek. Stadt der Cerealien (Kelloggs). Wir wollen doch in das amerikanische Leben wenigstens ansatzweise hineinschnuppern. Holzhausidylle mit Veranda, wenn möglich gerader Straßenverlauf, Fastfoodketten und viel dünner Filterkaffe. Aber dann doch endlich Landschaft. Alte Friedhöfe. Etwas Indian Summer mit schöner beginnender Laubfärbung. Ein nettes Motel und ein guter Inder sind ein gelungener Tagesabschluß.
Der nächste Halt ist in Saint Joseph am Michigan See mit schönem Sandstrand und kleiner Einkaufsmeile - hier wird der Chinese zur Bespeisung ausgewählt und die anschließende Weinverkostung aus dem Michigangebiet bietet sich geradezu an. Im Sommer muss hier die Hölle los sein! Das Frühstück ist wieder eine kulinarische Herausforderung.

Chicago
Von Süden kommend eröffnet sich die Skyline Chicagos schon von weitem. Wir überqueren eine riesige Metallbrücke und sehen große Industrieanlagen der Erdölverarbeitung ... wir checken schnell im Congress Plaza ein und geben anschließend den Wagen in der Innenstadt ab, um zu Fuß durch die Hochhausschluchten zu schlendern. Unsere Blicke sind nach oben gerichtet. Wahnsinn.
Noch am ersten Tag besuchen wir die Aussichtsplattform Skydeck im Willis Tower und gewinnen so von oben einen ersten Überblick. Ohne Worte in über 400m Höhe.
Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir erste Erfahrungen mit einer typischen Bar in der Jackson ... mit Abschluß beim Italiener. Der Stadtblick vom Hotelzimmer, wie gewünscht, begeistert vor allem Susan. Chicago live mit Geräuschkulisse. Das Congress Plaza ist auch ein echt alter, aber geschichtsträchtiger Koloss. Als wir ein eimal die Treppen im Südflügel nutzen und nicht den Aufzug wie üblich, landen wir in der Hinterwelt. Angestellte helfen uns aus dem Labyrinth.
Das Frühstück nehmen wir auf der Michigan Ave ein. Auch hier wieder riesige Portionen. Die Gäste neben uns bestellen teilweise zwei Gerichte - alles mit fettigen, undefinierbaren Speisen. Wir sehnen uns schon nach Nicaragua ... auch wenn gaillopinto (eine Reis-Bohnen-Mischung) keine echte Delikatesse ist.
Unser heutiges Tagesziel ist das Art Institute of Chicago - die nächsten Stunden ziehen mit vielen Bildern an uns vorbei. Bedeckter Himmel - perfekte Museumszeit.
Von Gegenständen und Skulpturen aus Asien, Europa und Afrika geht es weiter zur zweidimensionalen Ausdrucksweise:
Von Picasso, Beckmann, Cezanne, van Gogh, Edward Hopper, Grant Wood, Dali, Jawlensky über Matisse, Monet, Manet, Kandinski, Chagall ... Bilder der herausragensten Künstler aus nahezu allen Epochen (siehe Bildergalerie).


Nighthawks - Edward Hopper

Knut: Ich habe teilweise Tränen in den Augen ... viele dieser Bilder wahrhaftig sehen zu können, überwältigten mich einfach. Die Vielzahl an erstaunlichen Exponaten begeistert. Bei alter europäischer Kunst und Lucas Cranach dem Älteren wollen wir kapitulieren, raffen uns nochmals für die indianische Kultur und die Miniaturen kurz auf. Nach über vier Stunden verlassen wir wegen visuellem Overflow - aber glücklich das Museum.
Sonne pur.
Nach dem Spaziergang im Milleniumpark diskutieren wir bei einem Kaltgetränk im Parkcafe unsere Eindrücke und genießen den Blick auf die alten, teilweise verspielt gestalteten Steingiganten der Michigan Ave. Das Fernglas ist auch hier ein guter Freund.
Abends rennen wir fast mehrere Blocks, um unseren resevierten Tisch im Kinzie Chophouse rechtzeitig erreichen zu können.  Das Kinzies soll unter Kennern ein Geheimtipp für saftige Steaks sein - und ja: Die Steaks sind saftig, lecker - Susans Cowgirl und Knuts Prime Rip Eye waren jedenfalls mit das Beste an Rind, was wir bisher zu uns genommen haben - sehr empfehlenswert! Fleischkunde inclusive. In der Stadt Fellverkäufe, dem ehemaligen Schlachthaus der Staaten wohl ein Muss. Der Rückweg durch die funkelnde Stadt im tiefen Dunkel der anbrechenden Nacht ist unser Dessert. Unter anderem führt uns die Dearborn in unsere  vier Wände.
Tag 3 in Chicago: Field Museum und John Hancocks Center
Nach einem guten Frühstück im Congress Plaza machen wir uns heute an der Uferpromenade auf dem Weg zum Field Museum. Wieder tolles, sonniges Wetter aber heute ist es zum ersten Mal empfindlich frisch - bislang waren unsere Tage für den Oktober ungewöhnlich warm.
Im Field Museum befindet sich ein nahezu komplett erhaltenen T-Rex Skelett. Auf Sue (genannt nach der Finderin) und auf andere Original-Saurierskelette z.B den Entenschnabeldinosaurier oder den Apatosaurus haben wir es besonders abgesehen (alle Bilder in der Gallerie). Die gesamte Austellung zur Evolution und den verschiedenen Erdzeitaltern ist unglaublich.
Beindruckend ist aber auch die Ausstellung zu den nordamerkanischen Indianern.
Die Totem-Pfähle und riesige Figuren sowie die Kunsthandwerklichen Exponate und Kermiken gehen weit vor unsere Zeitrechnung zurück - eine Kultur, die unter den europäischen Einwanderern mit ihrer Technik und der zahlenmäßigen Überlegenheit, leider beinahe verloren ging. Die Ethnien der nordamerikanischen Ureinwohner kämpfen seither gegen die Assimilierung. Nicht im Ansatz können wir die weiteren vielzähligen Bereiche des Museums besuchen. Hod Dog als Mittagssnack im Chicago Style. Nun ja... Das andere kulinarische Hightlight der Stadt - die Deep Dish Pizza lassen wir lieber gleich.
Das Watertaxi bringt uns am Seeufer entlang zum Navy Pear - toller Blick! Wir sehen Kanadagänse und Kormorane.
Nach einem weiteren Architekturtrip unter den Brücken des Chicago-River entlang dem Loop, springen wir spontan in die nächste Tram Richting Norden und kämpfen uns zum Hancocks Tower durch.
Wir wollen uns in der Signatur Lounge  im 96. Stock eine Flüssigkeit zuführen, müssen aber feststellen, dass man sich vorher ausweisen muß. Da Susan keine Papiere dabei hat, zahlen wir schnell den Besuch zur 360 Grad Aussichtsplattform und können gerade rechtzeitig den Sonnenuntergang vom 94. Stock erleben.
Im Vergleich zum Willis Tower hat uns der Blick vom Hancocks-Gebäude noch besser gefallen. Außerdem können wir die Abenddämmerung von hier oben genießen und das beginnende Leuchten dieser Menschheitskrake beginnt. Die Stadt klebt wie ein rießiges Spinnennetz an den Ufern des Lake Michigan.
Nach einer Busfahrt entlang der Michigan Ave und Besuch des bereits bekannten Italieners beschließen wir den Tag. Anstrengend.
Am nächsten Tag wird uns DELTA hoffentlich ohne weitere Probleme über Atlanta nach Nicaragua bringen.
Die blaue Linie der U-Bahn bringt uns von der LaSalle Station zum Flughafen O´Hare. Wir können uns nochmals vom Flieger aus von der Skyline der Stadt verabschieden. Ein wolkenfreier Flug liegt vor uns. Das Leben in Planquadraten weicht allmählich einem Leben in Wendehammern. Wir überfliegen viel urbane und landwirtschaftlich genutzte Gebiete durchzogen von einigen großen Flüssen. Die Wolkenkratzer Atlantas tauchen auf. Der spätere Flug nach Managua ist eher unspektakulär. Entlang der Westküste Floridas tauchen wir in die Dunkelheit ein. Wolken.


Fazit: Das Leben scheint uns in den gesichteten Landstrichen der USA etwas unkomplizierter abzulaufen. Man ist eher praktisch. Während Chicago eine gefühlt schnelle, hektische und laute Stadt ist, geht es oft aber auch eher gemächlich zu. Einige Klischees müssen wir bestägigen: Viel Plastikgeschirr und Besteck, überall zu fettes Essen,  Besteckbenutzung und Esskultur lassen nach unserem Kulturhintergrund schwer zu wünschen übrig und gefühlt mehr adipöse Menschen.
Wer Qualität möchte, muß länger suchen und hier tiefer in die Tasche greifen. Obwohl die Unabhängikeit und Individualität hier doch propagiert wird, wirkt das Leben genormter als wir es erwartet hätten. Das Land der Fastfood- und Hotelketten. Einheitlich gestaltete Wohnsiedlungen  scheinen sehr beliebt. Wir werden z.B. einige Male auch auf die Einhaltung von Regeln hingewiesen. Die einfachen Menschen waren uns sehr sympathisch. Wir haben fast durchgängig positive persönliche Erfahrungen machen können. Ein Wiedersehen mit amerikanischen Landstrichen schließen wir nicht aus.

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