Dritter Reisebericht: Costa Rica (Corcovado NP)

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Oh wie schön ist Costa Rica ... denken wir, als wir relataiv bequem die Grenze von Nicaragua überschreiten und die vielen grünen baumbewachsenen Berghänge sehen. Die Fahrt verläuft entlang der Vulkankette nach San José und geht zügig von statten. Wolkenverhangen zeigt sich die Cordillera Central.

San José
Wir kommen im Hemminway Inn in San Jose unter. Ein gemütliches, verwinkeltes, kleines Hotel - unser Zimmer hat sogar ein Himmelbett und einen kleinen Wintergarten, der uns einen Blick aus dem Talkessel ermöglicht. Die Lichter der Berghänge wabern in der Dämmerung. Das Frühstück gibt es in der seismologisch sicheren Zone des Hauses, ein äußerst "beruhigendes" Gefühl.  Am nächsten Tag strolchen wir durch die Straßen und Fußgängerzonen der Hauptstadt ... er regnet hier häufig und es ist merklich kälter (für Susan kalt) auf 1200m über NN. Ein Schirmkauf ist angesagt. Unsere Post aus Deutschland kommt rechtzeitig bei den Wild Ridern an, eine Motorrad- und Autovermietung, die wir schon 2009 nutzten und die wir nur wärmstens empfehlen möchten (kein Stress bei Problemen und toller Service - deutsches Unternehmen!). Danke nochmal an Torsten auch für den Tipp, die Finca Maresia im Corcovado NP zu wählen).
Für einen Besuch im größten Jademuseum des amerikanischen Kontinents mit präkolumbiansichen Hintergrund ist noch Zeit, bevor es am nächsten Morgen per Bus in Richtung Corcovado geht. Viele alte Fundstücke.
Die lange Fahrt verläuft im Westen Costa Ricas, einem Früchteparadies. Wir queren unzählige  Flussläufe und sind dann abschnittweise auch entlang der Pazifischen Küstenlinie unterwegs. Heute kommen wir kommen nur bis Palmar Norte ... ein Durchgangsstädtchen ohne großen Charme.

Drake Bay - Corcovado NP
Mit dem lokalen 8.00 Uhr Bus geht es am folgenden Morgen nach Sierpe. Der Bananengürtel war einmal, jetzt sind natürlich Palmölplantagen angesagt. Hier warten wir auf die Bootsfahrt in die Drake Bay am Rande des Nationalparkes. Frühstücken und Lesen sind angesagt. Leguane und rießige Käfer machen Lust auf diese Tierwelt. An der Anlegestelle treffen wir bereits auf Juan, den Besitzer der Finca Maresia - sympathischer Typ, Spanier, ehemaliger Anwalt. Die Fahrt geht erst den Rio Sierpe entlang bis an den Pazifik. Mangrovengebiet, danach folgend der Küstenlinie in die Bahia Drake. Weiße Ibisse und Reiher. 45 Minuten. Alles cool.
In Drake beziehen wir die erste Nacht im El Mirador ... geniale Aussicht auf die Buchten, saubere neue Holzcabanas mit Zeltfeeling. Wir sind an zwei Seiten der Hütte nur mit Maschendrahtgeflecht von dem Pflanzengewirr und der Unterwelt getrennt. Der Balkon dient uns als Birdwatchingplattform. Wir sind die einzigen Gäste. Innerhalb kürzester Zeit können wir viele Vögel identifizieren (Rufous Tailed Humingbird (Kolibri), Yellow headed caracara (Falke), diverse Flycatcher und Tanager. Sogar ein Agouti kommt auf dem Grundstück vorbei. Die großen roten Aras ziehen paarweise in der Vorabendzeit ihre Kreise. Ein unglaublicher Platz. Der Rückweg vom Abendessen im Dorf wird in der Dunkelheit, einige Höhenmeter überwindend, etwas anstrengend. Froschgesänge überall. Deshalb wohnt hier auch niemand außer uns. Der Ausblick ist es allerdings wert.

Blick vom El Mirador Blick vom Mirador - Wolken
Tags drauf ziehen wir in die etwas außerhalb gelegene Finca um ... tolle Lage, tolle Unterkunft, Essen - alles richtig fein. Juan holt uns mit mit seinem Bus ab. Wir sind an diesem Abend auch hier die einzigen Gäste und haben mit Juan einen tollen Gastgeber. Drei-Gänge-Menü. Es gibt tolle Suppen, die er selbst kocht. Gute Gespräche über Europa, Flüchtlingslage usw.

Hier können wir unsere Liste von gesehenen Federvieh ausbauen, Stripe-throated Hermit (Kolibri), Blue-crowned Motmot,  Chestnut-mandibled Toucan, Lineated Woodpecker, golden naped Woodpecker, Mealy Parrot, diverse Tanager .... .Die Ara`s ziehen auch hier morgens und abends vorbei. Wir erkennen sie jetzt schon in größerer Entfernung an ihrem lauten Gekrächze. Die Weißbrust-Kapuzineräffchen kommen direkt auf´s Gelände und nur die Hunde verhindern, dass sie die Cabanas und die Küche auf Futtersuche entern. Im Hintergrund hören wir die Brüllaffen und sichten auch die nachtaktiven Vögel, die Nightjar´s. Frösche und Krötenkonzerte überall. Daher soll es auch viele, auch sehr giftige Schlangen z.B die Bushmaster geben. Diese zeigen sich uns leider nicht. Juan hält genau aus diesem Grund den Rasen sehr kurz. In der Dunkelheit laufen wir nur mit Taschenlampen. Jeder Schritt wird bewusst gesetzt.

Kapuzineraffe an der Finca Maresia Tucan an der Finca Maresia

Die folgenden Aktivitäten haben wir in Drake durchgeführt:
- Privater morgendlicher Vogelbeobachtungsgang zu einem Fluß in der Nähe der Finca Maresia mit den üblichen Verdächtigen.
- Zwei Tauchgänge auf der Isla Coiba mit Weisspitzenriffhaien, verschiedenen Rochenarten, Tintenfisch, Jackfischen, Muränen ... Auf der Hinfahrt umkreisen uns außerdem Delphine. Es sind mehr als zehn Tiere, die eifrig ihre Sprüngen ansetzen und wir können eine Weile ihrem Treiben zuschauen. Diese nicht unanstrengende Tagestour hat sich gelohnt.
- 7 stündige Wanderung vom Playa Rincon nach Drake Bay - wunderschöne Buchten und Strände. Ein Quadfahrer bringt uns über mehrere Flussläufe zum Ausgangspunkt. Susan wird kurz nach der Ankunft am Strand von einer großen Welle erfasst, die in einen kleinen Flusslauf hineinschwappt, umgeworfen  - splishsplash - Fernglas hinüber - alles nass bis auf die Haut. 6.30 Uhr - ein Tagesbeginn nach Maß. Die Hose und die Schuhe waschen wir im nächsten klaren Flusslauf, um wenigsten das Salz zu entfernen. Aber egal. An diesem Tag sind wir immer irgendwie nass. Etwas luftgetrocket, klebt der eigene Schweiss überall und etwas später gibt es auch noch einen ordentlichen Guss von oben. Es ist spannend, dass man erst innerlich völlig entrüstet ist, aber sich dann den Umständen einfach komplett ergibt. Außerdem treffen wir auf Ricardo, einen Einheimischen, der auf eigene Faust Schilkrötennester rettet. Er bietet uns Kaffee an und wir erfahren Interessantes über Pflege von Nistgehegen. Ein schräger, aber spannender Typ.
Wir entscheiden uns außerdem für eine Nachttour mit Tracy der Käferlady. Es gibt viele Infos über Fösche, Insekten und Spinnentiere- empfehlenswerte Tour! Wir sehen die Tarantula, die in einer Erdhöhle wohnt. Die hochgiftige Bananenspinne krabbelt etwas ungewöhnlich an einem Wegweiser herum. In Erdhöhlen von Moosbereichen leben auch Spinnenarten und besitzen klappbare Türen aus diesem Moos. Tracy kann diese sichten und öffnen. Skorpione haben  floureszierende Eigenschaften. Waschbären und ein schlafendes Faultier sind die  Sägetierausbeute. Es regnet moderat. Perfekt für diese Tour. Dass Pheromone von Kakerlaken im Vietnamkrieg verwendet wurden, dass spezielle Pilzsporen in Ameisen eindringen, in ihnen heranwachsen und  diese dann in ihrem Verhalten steuern, klang schon sehr ungeheuerlich. Forschungsgebiete sind auch Blutdrucksenker und Potenzmittel aus Giften der Froschhäute. Na dann mal Quak.

Einer der schönsten Frösche weltweit Keine Spinne- aber gruselig!

Fazit Corcovado-Gebiet:
Die Tour zur Rangerstation Sirena lassen wir aus. Es sind dort zwar relativ häufig Tapire zu sehen, Kapuziner- und Brüllaffen (auch an der Finca Maresia), Klammeraffen, Faultiere wohl auch mit hoher Sicherheit. Aber wir haben schon sehr viel der Tierwelt hier auf eigene Faust gesehen und die Zahl der Besucher ist dort relativ hoch.  Außerdem braucht man auch Zeit um Gesehenes zu verarbeiten.
Irre Tierwelt. Sogar bei der Körperpflege musste immer wieder das Fernglas zur Hand genommen werden. Duschen mit Ausblick auf ein hämmerndes Spechtpärchen z.B. .
Die Finca Maresia liegt zwar etwas außerhalb, ist aber aufrund der hügeligen naturnahen Lage, der Austattung und dem Service absolut empfehlenswert.
Nach den tollen Tagen in Drake brechen wir in Richtung Panama auf. Es gibt mittlerweile 18 Gäste hier, auch Deutsche, Schweitzer und Niederländer, fast ein bischen viel für uns ... Allerdings genießen wir unsere tolle Herberge noch einen halben Tag und lassen es tranquillo angehen. Die Wanderschuhe müssen noch trocknen. Ein paar Sonnenstunden sind da einfach genial. Die spätere Lancha (Boot) nach Sierpe startet erst um 2:30 pm und der Lumpensammler- Bus nach Palmar steht anschlussbereit. Da es hier früh dunkel wird, entschließen wir uns in Neilly zu übernachten. Grenzübergänge in der Dunkelheit können recht stressig werden. Direkt neben dem Busbahnhof liegt das Hotel Andrea in dessen Restaurant auch gleich der Magen gefüllt werden kann. Bestens.


Gute Entscheidung hier einen Stopp einzulegen - eventuell werden wir auch etwas träger im Vergleich zu unseren früheren Reisen?
Oh wie schön dann Panama sein wird? Wir werden berichten!


Bis dahin
Susan und Knut

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