4. Reisebericht:Panama: Santa Catalina und Panama City 

Die Bilder zu diesem Bereicht sind auch in unserer Bildergalerie online.

Unser Tagssziel ist heute Santa Catalina in Panama. Der 10.30 Uhr Bus verlässt Santa Catalina gegen 11.00 Uhr. Der Anschlussbus zur Grenze wird in Sona sogleich gefunden und nach kurzem Warten sind wir unterwegs. Der Wasservorrat wird noch aufgefüllt.

Der Grenzübergang ist, wie erwartet etwas hektisch. Info: Es wird eine Ausreisesteuer erhoben, die an einem Automat nur mit Kreditkarte erworben werden kann.
Prinzipiell wieder problemlos stempeln wir aus und wieder ein. Die Migrationsbüros zu finden, gestaltet sich in dem Gewirre aus verschiedensten Geschäften leider etwas kompliziert.
Auf nach Santiago - im Collectivo (ein größerer Minibus). Wir tingeln mit diversen Stops voran.
Bei unserer Ankunft wird es bereits dunkel, aber wir beschließen heute die Fahrt durchzuziehen, bis zum bitteren Ende. Auf geht´s in den Bus nach Sona. Es wird verdammt eng. Viele Mitreisende.
Der Busbegleiter organisiert für uns ein Taxi von Sona nach Santa Catalina per Telefon, da keine Busse mehr fahren.

Santa Catalina
Wir kommen nach 70 km und gut einer weiteren Stunde Fahrtzeit in tiefschwarzer Nacht an und es gießt es aus vollen Kannen. Dank eines Stromausfalls im gesamten Dorf lernen wie die Steigerungsform von tiefschwarz kennen. Die angepeilte Unterkunft ist noch geschlossen (die Saison beginnt gerade) und wir lassen uns im gefühlten Nichts zum nächsten Hotelchen bringen. Mit einer Taschenlampe inspiziert Knut von weitem die Unterkünfte - im Hintergrund hört man Meeresbrandung. Wir sind mitten im OFF, haben Hunger und sind müde. Wir bleiben. Im Strandrestaurant gibt es für uns sogar noch etwas Hühnchen zwischen die Zähne. Die haben durch einen eigenen Generator auch Strom. Nach unserer Rückkehr geht sogar das Licht wieder. Hurra! Aber sauber ist etwas anderes. Am nächsten Morgen ist auch zufällig das Wasser alle. Die Handtücher stinken. Susan´s untere Komfortzone wird nochmals dezent auf die Probe gestellt.
Erfreut stellen wir fest, dass unsere Bleibe (Las Palmeras) eigentlich recht nett mit Blick auf den Pazifik liegt. Bei Licht betrachtet: Oh wie schön ist dann auch Panama! Übrigens wenn Strom und Wasser vorhanden sind, ist leider der Duschabfluss verstopft... aber es gibt ja die leere Hütte von nebenan. Für die vorgelagerte Insel Coiba und den dazugehörigen Nationalpark nehmen wir so einiges in Kauf.

Isla Coiba
Nach einer Ortsinspektion planen wir unseren Trip für den nächsten Tag. Die Insel und zugleich Nationalpark Isla Coiba gehört weltweit zu den Plätzen mit höchster Biodiversität. In letzter Zeit wurden die Regeln für einen Besuch auf der Insel verändert, so dass zum Zeitpunkt (Anfang November 2015) keine Übernachtung möglich ist. Die aktuelle Regenzeit verhindert angeblich auch, dass noch nicht alle Wege von den Rangern freigelegt werden konnten. Als wir dann die Insel nach einem Tauchgang für gute 2 Stunden besuchen, scheinen uns die Ranger eher etwas lustlos zu sein.  Ein endemisches Agouti hoppelt uns entgegen. Die kleine Austellung informiert über die Tierwelt und viele endemische Arten. Schade, hier hätten wir gern mehr inspiziert. Die beiden Tauchgänge sind anspruchsvoll. Wir steigen um vorgelagerte Inselchen in die Tiefe zwischen 18 und 24m. Der Untergrund ist teils sandig und teils auch felsig. Die Strömung ist stellenweise stark und wir lassen uns mit ihr in wabernden Bewegungen schwingen. Wieder sind wir mit den Weißspitzenriffhaien Auge in Auge unterwegs.  Wie galant sie durch das flüssige Element gleiten.  Eine Grüne Schildkröte und eine Karettschildkröte, mehrere Muränenarten, Kugelfische, Nadelfische, Langusten und vieles andere der farbenfrohen Unterwasserwelt können wir beobachten. Knapp 50 Minuten jeweils vergehen wie im Zeitraffer. Beim Tauchen ist man absolut im Jetzt, keine anderen Gedanken haben Raum. Danach sind wir angenehm erschöpft. Nach dem ersten Tauchgang umringen uns auch wieder Delphine. Ein friedliche Stimmung.
Die lange Bootsfahrt (über eine Stunde) gestaltet sich insgesamt relativ angenehm, da kaum Wellengang vorhanden ist. Auf dem Rückweg dann das so heiß ersehnte Erlebnis an diesen Küstenabschnitten des Pazifik: Walalarm! Obwohl wir uns zeitlich eher am Ende der Walsaison befinden, taucht wirklich eine Buckelwalmutter mit ihren Nachwuchs auf. In den nächsten Augenblicken scannen alle gespannt die Wasseroberfläche. Und dann springt das Kalb keine 30m entfernt, wie sonst im Dokumentarfilm zu sehen, aus dem Wasser und zeigt beim Fall zur Seite seine lange Flosse! Danach erscheint die Mama an der Oberfläche. Wir sehen die Rückenflosse und auch ihre buckelige Haut sehr deutlich. Glücklich gleiten wir zurück nach Santa Catalina.
Tagsdrauf erkunden wir am anderen Ende des Dorfes die Flußmündung mit einem tollen Strand - alles sehr weitläufig. Viele Surfer versuchen sich an den hier weltberühmten langen Breaks.
Eine Bar mit Blick über dieses wunderschöne Stückchen Erde lässt uns bei einem Kaltgetränk fast über die Bucht fliegen - very nice.

Santa Catalina - Surfbeach Isla Coiba Kaltes am Strand von Santa Catalina
Wir gammeln noch ein wenig durch Santa Catalina und brechen am nächsten Tag auf zur Hauptstadt Panama City. Der 10.30 Uhr Bus verlässt Santa Catalina gegen 11.00 Uhr.  Eine gefühlt ewige Busfahrt von Sona mit grausamen Musikvideos - Latinoschlager, mit viel Herz (corazon) und Schmalz führt auch entlang von Pazifikstränden. Leider gibt es schon viele Hochhäuser, die die Gegend und die Aussicht ruinieren, und Palmöl natürlich auch. Die Einfahrt nach Panama-City ist grandios. Wir überqueren den Panama-Kanal über eine riesige Brücke America von Westen kommend. Atemberaubender Blick. Die Jachten und Containerriesen warten aufgreiht, geduldig auf ihre Passiermöglichkeit.

Panama City
Da sich im Altstadtbereich enorm viel getan hat und wir keine Lust auf Autos und Lärm haben, lassen wir uns per Taxi direkt nach Casco Viejo fahren - finden nur eine Kolonialstil-Penthouse Suite mit Blick zur Skyline, auf die Altstadt und den Kanal in weiterer Entfernung. Nun, es gibt Schlimmeres! Wir genießen unsere Bleibe und werden auch wieder etwas sauberer. Der Wäscheservice klappt auch am Sonntag. Haare waschen mit warmen Wasser. Schuhreinigung. Die abendlich leuchtende Skyline - Glitzerstadt kam uns vor 5 Jahren noch wesentlich kleiner vor. Bauboom. Leckeres Essen beim Peruaner, hervorragende Ceviche Mixto.
Wir treffen eine Entscheidung bezüglich unsereres geplanten weiteren Reiseverlaufes nach Venezuela.
Da wir durchweg von vielen Mitreisenden und Einheimischen Sicherheitsbedenken erhalten haben und auch das Auswärtige Amt  einen Besuch des Landes nicht empfiehlt, checken wir kurzerhand einen Flug von Kolumbien nach Trinidad Tobago - Venezuela leider ... vielleicht ein andermal!  Heißt aber außerdem, es  bleibt mehr Zeit für Kolumbien. Rumhetzen ist nicht mehr so unser Ding.

Blick von der Altstadt auf Neu Panama City Blick auf die Kathedrale aus unserer Suite Die Kathedrale von vorne - Plaza Major

Auf nach Kolumbien
Der Flug an die kolumbianische Grenze zu einen kleinen Flughafen namens Puerto Obaldia gestaltet sich wiedereinmal sehr spannend. Susan ist äußerst nervös. Die Maschine mit nur einem Propeller ist nur zu 60% ausgebucht ... von 12 Sitzplätzen :-). Zwei Piloten befinden sich an Board. Zu Beginn sind wir lange die einzigen Gäste und freuen uns sehr, als noch Mitreisende auftauchen. Gemeinsam stirbt es sich einfach leichter.
Wir fliegen erst entlang der Pazifikküste. Panama-Stadt und der Kanal verschwinden im Dunst.  Danach quert der Flieger die Landfläche Panamas zur karibischen Seite. Wir können unsere Position im GPS-Monitor der Piloten verfolgen. Druckausgleich gefällig?
Erst überfliegen wir große Flussmündungen, deren braunes Wasser kilometerweit in den Pazifik greift. Haufenwolkenberge. Die Piloten manövrieren den Vogel zwischen zwei Wolkenschichten hindurch. Danach wird es im Landesinneren hügeliger und zunehmend weniger bewohnt, bis wir Kuna Yala, das Gebiet der Kuna Indianer erreichen und ein Blick auf ihre vorgelagerte Inselwelt möglich wird. Auf der Landseite - eine Ahnung - das Dschungelgebiet des Darien. Alte Travallerträume.
Die kleine Landebahn in Puerto Obaldia wird sicher erreicht. Sie wirkt aber erstmal eindeutig zu kurz und der Anflug über dem offenen Ozean beruhigt auch nicht wirklich.

Der GPS-Bildschirm der Turboprob-Maschine kurz vor dem Anflug auf Puerto Obaldio Die kleine Piste von Perto Obaldio

Schnell holen wir uns den Ausreisestempel im Migration-Office und besteigen eine kleine Nussschale in Richtung Kolumbien. Die Bootsfahrt führt vorbei an vielen tollen Strandabschnitten, im Hintergrund die Berghänge mit Urwald. Die karibischen Delphine begrüßen uns vor Capurgana. Ade Panama, ade Mittelamerika.
Susan´s Aufregung hat sich wieder gelegt. Flüge mit diesen kleinen Maschinen sind immer ein echtes, unvergleichliches Flugerlebnis und eine Herausvorderung zugleich. Außerdem sind wir sicher über diesen Wasserweg auf kolumbianischem Boden gelandet. Diese Gebiet war vor wenigen Jahren noch eher gefährliche Grenzgregion mit Drogenschmuggel. Etwas Unbehagen auf solchen Terrain bleibt dann doch. Aber bisher alles gut.
Die nächsten 5 Wochen werden wir unsere Reise in diesen Landesteilen fortsetzen, bevor uns die Karibischen Inseln rufen.
Der nächste Bericht wird dann also bereits aus dem schönen Kolumbien und damit vom südamerikanischen Kontinent versendet.

Bis dahin grüßen
Susan und Knut

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