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Zuletzt berichteten wir vom Grenzübergang von Panama nach Kolumbien.

Capurgana
Eigentlich wollen wir nach Sapzurro, in das Dorf direkt nach der Grenze. Den Einreisestempel gibt es aber erst im übernächsten Ort. Capurgana gefällt uns spontan, wir bleiben - wir sind ja flexibel.
An der "Hafenmohle" fragen wir nach dem Migrationsbüro - es öffnet erst in 2 Stunden wieder. Es ist Mittagspause. Wir lassen uns zu einem Hostal führen - ein Bretterverschlag, aber für heute soll es auf der Suche nach einer Unterkunft reichen. Bevor wir unsere Einreise legalisieren, erkunden wir zuerst einmal die Lage. Es gibt sehr viel Militärpräsenz. Ob das an der stattfindenden Segelregatta liegt oder allgemein üblich ist, wissen wir nicht. Capurgana ist ein karibisches Örtchen mit einem kleinen, aber netten Strandabschnitt. Alles recht übersichtlich und beschaulich. Einige Kolumbianer kommen gerne am Wochenende hierher - dann ist es besonders laut. Das Zentrum - der "Plaza Major" - ist ein Fußballplatz, zumindest wenn Fußball gespielt wird.

Haupt-, Party- und Fussballpaltz hier Fussball hier Party

Ansonsten weiden hier Pferde, man läuft oder fährt mit dem Eselskarren bzw. Moped darüber. Hier sind auch rundherum diverse Bars angesiedelt, deren Wettstreit darin besteht, die lauteste Musikanlage zu betreiben. Am besten schläft man, wenn gerade Stromausfall ist. Nachdem wir uns eingelebt und eine nettere Bleibe - leider am Fußballplatz - gefunden haben, verbringen wir einen gelassenen Tag am Strand bei diversen Coco Locos.

coco loco stand coco loco macht glücklich kleiner strand in capurgana

Magenkrummeln - eventuell zu viel Kokosfleisch? Wahrscheinlich ist auch eine Anpassung an neue Bakterienkulturen angesagt. Alles im grünen Bereich.
Zufällig treffen wir Willberto auf unserer Hostalterasse, einen Naturführer und Martha eine Fotografin und Hobbyornithologin. Sie beobachten und zählen gerade migrierende Geier.

Logisch, dass wir am nächsten Tag ab 6.30 Uhr mit Willberto unterwegs sind. In den folgenden fünf Stunden treffen wir auf Geoffreys Perückenaffen, Schwarze Brüllaffen, beide großen Tukane und erstmalig deren Verwandte, die Aracaris. Das sind etwas kleinere, sehr farbenfrohe Tucane, die gern in Gruppen anzutreffen sind. Wir sehen außerdem Motmots, Woodcreeper, eine weitere Spechtart, blaugelbe Tanager.... .

geoffrey Kapuziner Affe Arakari - Tukan fast schon unspektulär: Spechtpärchen

Ein toller Marsch, nicht ganz unanstrengend. Mehrmals muss der Flusslauf überquert werden und es geht auch ein gutes Stück bergauf. In diesen Ausläufern des Darien leben noch viele gefährdete Tierarten. Die Menschen haben aber scheinbar wenig Ahnung, dass diese Naturwunder hier Tierfreunde anlocken könnten. Wie uns Willberto erzählt, sind einige von ihnen leider auch als Jäger aktiv. Das Fell eines Margay (Tigrillo) ist leider immer noch eine gute Beute.
Als Einstig in Kolumbien sollen uns die drei Tage Küste aber erstmal reichen - uns zieht es jetzt , in eher historische, bergige Landesteile.

Santa Fe de Antioquia
Mit dem Boot setzen wir in zwei Stunden nach Turbo über, über den Golfo de Uraba. Erst folgen wir dem Küstenverlauf. Immer noch bewaldete Berghänge im Hinterland. Nach Zwischenstopps in Acandi und San Francisco geht es endlich quer über die Bucht. Wieder Vogelbeobachtung. Die Wasseroberfläche ist spiegelglatt. Der große Flusslauf des Rio Atrato schwemmt Unmengen braunes Wasser mit unzähligen Ablegern der Wasserhyazinte im Gepäck in den kompletten Meeresbereich. Im Hafen von Turbo riecht es übel, faulig. Müll überall. Aber der Busterminal zur Weiterfahrt nach Santa Fe de Antiquotia liegt unweit und wir starten in den nächsten Minuten. Obwohl die Innenstadt von Turbo dann doch netter erscheint, gibt es hier wenig Grund zum Verweilen. Wir erwarten eine dreistündige Fahrt, merken dann im Bus aber beim nochmaligen Landkartenüberblick - hoppla wir müssen einen Passbereich der Westkordillere kreuzen. Das kann dauern. Der Bus kämpft sich stetig bergauf. Immer mehr Fahrgästen wird es übel. Gerüche. Viele Blicke in Waldschluchten und Berghänge mit Grasland sind möglich. Es wird Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Pinien mischen sich in das Landschaftbild. Auf über 1100 m üNN machen wir Pause. Würste werden hergestellt, geräuchert und auch gebraten. (und auch probiert, mit Kräutern und Gemüse - lecker). Wir sind laut Hinweisschild in geologisch instabilen Bereichen unterwegs. Geröllabgänge und Steinlawinen sind hier an der Tagesordnung und blockieren teilweise eine der Fahrbahnen. Riesige Felsbrocken säumen den Straßenrand.

Santa Fe de Antioquia auf 550m üNN erreichen wir kurz vor der Dämmerung - es ist verdammt viel Volk auf dem Hauptplatz unterwegs. Es ist Sonntag und morgen schließt sich noch ein weiterer Feiertag an. Wir finden ein nettes Hotel am Hauptplatz, das Caseron Plaza.

Blick vom Corazon Plaza

Ein koloniales Haus mit schönem Innenhof.
Der Pool wird auch gleich noch inclusive eines Aquila (gängige Biermarke) genutzt. Die Gartenterrasse bietet ein schönen Blick auf die Berge.

pool - corazon plaza

Die nächsten Tage erkunden wir das koloniale Kleinod und treffen auf Olivier, einen Belgier, mit dem wir in seinem historischen Restaurant einen leckeren, gesprächigen Abend verbringen. Wir sind mal wieder die einzigen Gäste. Es gibt klassische Musik mit Würsten nach Thüringer Art. Chilenischer Rotwein, Lasagne, Apfeltarte und der Absacker (Medellin Ron) runden das internationale Menü ab. Er und seine kolumbinaische Frau geben uns hilfreiche Tipps für unsere Weiterreise.

bei Olivier
Nach einem Umzug in das wirklich historisch interessante Hotel Mariscal Robledo (Empfehlung!) mit toller Küche genießen wir zwei weitere Tage im Museumsambiente. Hier kann man beim Wandeln auf den alten Fliesen viele skurrile Dinge, Gemälde, Möbel bestaunen. Kunst und Krempel.

hotel robledo Pool im Hotel Robledo blick vom Hotel auf die Kirche in Santa Fe de Antioquia

Wir besuchen die Brücke des Westens, Puente Colgante des Occidente, eine fast 300m lange Stahlseilhängebrücke über den Rio Cauca. Man könnte noch bleiben. Angenehmes Klima.

Susan zieht es nach Medellin - die einstige Drogenkartellstadt von Pablo Escobar.
Wir buchen ein Hotel in Stadtteil El Poblado und steigen am folgenden Morgen an der Hauptstraße in den nächsten Bus. Zwei Stunden weiter bergauf. Durch einen relativ neuen 6km langen Tunnel kurz vor Medellin wird die Fahrtzeit gegenüber früher wohl deutlich verkürzt. Die gesamte Gegend ist dicht besiedelt und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. An irren Steilhängen wachsen Mais und andere verschiedenste Feldfrüchte. Nach dem Tunnel wandelt sich das Bild. Plötzlich, völlig unerwartet, zwischen kleinen Bauernhütten tauchen Wohnsilos in Plattenbauformat gefolgt von Reihenhaussiedlungen auf. Das Aburra-Tal und die Stadt nahen.

Medellin
Am Busterminal Nord steigen wir in ein Taxi mit der Hoffnung, dass der Fahrer unser Hotel auch findet (Best Western, El Poblado) - leider hat der Ausdruck der Adresse als PDF nicht funktioniert - also suchen wir ... und finden dann auch endlich unsere Junior Suite im 8. Stock - 44qm mit Stadtblick, Schnäppchen. Da haben wir booking nichts falsch gemacht. Das Internet hat das Reisen und insbesondere die Unterkunftssuche enorm verändert. Der "lonely planet" und der "Reise Know-How" sind, wie immer, unsere Begleiter. Der Blick ins Netz gerade, in großen Städten, ist lohnenswert. Das GPS unseres Tablets zeigt uns 1680 müNN. Atmen ist angesagt, in der Stadt des ewigen Frühlings. Abendstimmung mit dem Blick auf Apartment- und Bürotürme. Allmählich mischen sich farbige Lichterketten und ganze, blinkende Weihnachtsbäume ins Lichtgetümmel. Die Adventszeit droht.
Abends gehen wir lecker Essen, ausnahmsweise mal Pizza und Pasta und machen uns am nächsten Tag daran diese Metropole auf 1500 müNN im Schnitt, in diesem riesigen Talkessel liegend, auf eigene Faust zu erkunden. Auf dem Weg bergab zur Metrostation unseres Stadtteils kommen wir an vielen gemütlichen Parkanlagen vorbei.
Es folgt eine interessante Fahrt mit der Metro von El Poblado Richtung Norden. Fast eine Stadtrundfahrt und wir steigen dann in die Metro Cable, eine Seilbahn, hinauf in die ärmeren Stadtbezirke. Man erhält einen Überblick über die gesamte Stadt. An der Station Acevedo geht es dann mit der Gondel Linie K weiter. Einfach genial. Linie L bringt uns dann auf ca. 2200m üNN mit Bergwald im Park Arvi. Das hatten wir wirklich nicht erwartet, denn hier kann man auch wandern. Dafür sind wir aber heute nicht gerüstet.

nächtlicher blick auf medellin vom best western. 8 stock botero-statue am parpue botero, medellin Metro Cable mit Bick auf die Comunas und die Bibliothek (der Putz bröckelt schon)

Auf dem Rückweg gibt es dann einen Kaffee in einer der Comunas. Wir sehen bei einem kurzen Gang hier auch die bekannten schwarzen, kastenartigen Gebäude u.a. die Bibliothek. Über Medellin zu schweben ist sehr eindrucksvoll. Eine riesige Stadt befindet sich in einem fast komplett einsehbaren Talkessel. Diese Metrocable ist eine gute Idee, öffentlichen Transport zu ermöglichen, um weit oben auf den Berghängen liegende, sehr abgeschiedene Comunas (hier der Begriff für die Elendsviertel) anzubinden. So erhalten dessen Bewohner bessere Möglichkeiten am sozialen Leben teilzunehmen und gewisse Chancen, in der Stadt Arbeit zu suchen. Totzdem ist das kein leichtes Leben. Das nehmen wir auch aus der Vogelperspektive wahr. Da sollte man nichts schönen. Trotz der sichtbaren Armut machen wir sehr positive Erfahrungen mit den Menschen der Stadt. Andere Mitreisende erzählen leider auch von unangenehmen Momenten insbesondere mit Drogensüchtigen. Das bleibt uns erspart. Gerade in dieser Stadt erleben wir diese extremen Gegensätze Wohlhabender (inklusive uns, ganz klar) und Menschen die um das tägliche Überleben kämpfen. Das sind die kritischen Phasen solcher Reisen, bei dem das eigene Leben und Konsumverhalten schwer auf dem Prüfstand steht.
Tagsüber kann es auf dieser Höhe durch die Sonneneinstrahlung recht heiß werden. Gegen Abend kühlt es leicht ab, besonders wenn ein Regenschauer hinzukommt. Die Kleidung der Menschen ist allerdings eher herbstlich. Auch Stiefel sind bei der Damenwelt beliebt.
Die Metro bringt uns in unseren Stadtteil zurück.
Heute abend wollen wir endlich kolumbianisches Rindfleisch probieren. Eine gute Adresse, Tipp von einer peruanischen Köchin, sei das El Cocero. Da wir relativ früh kommen, gibt es auch ohne Reservierung noch einen Tisch. Und tatsächlich ... die Zubereitung auf den Punkt. Empfehlenswert.
Wir strolchen noch ein wenig durch die Partygegend. Ein Kaffee und uns reicht es - ab in die Kajüte bzw. in die 8. Etage. Der Blick vom Balkon über die Stadt ist einfach immer wieder beeindruckend und macht nach so einem ambivalenten Tag nachdenklich bzw. demütig.

Heute liegt das Zentrum Medellins im Fokus - per Taxi lassen wir uns in die Stadt kutschieren und steigen am Parque Berrio aus. Hier ist, zumindest am Wochenende, die Hölle los.
Viele Menschen auf engsten Raum. Zwischen all dem Gewusel bieten Kleinhändler Lotterielose, Getränke, Süßwaren usw. feil. Wir empfinden eine leicht bedrängende Stimmung. Knut fühlt sich unwohl und wir ziehen weiter. Auf dem Plaza Botero, mit den tollen Skulpturen aus Messing des weltbekannten Künstlers Fernando Botero, ist alles weitläufiger. Hier können wir wieder etwas durchatmen und nehmen einen Kaffee am Museum für antike Geschichte.
Wir versuchen einen Besuch der Fußgängerstraße Avenido Bolivar - auch hier wieder viel Hektik.
Nach dem alten Einkaufszentrum endet dieser Abstecher und wir steigen in die Metro und versuchen den Westen Medellins zu erkunden - auch hier gibt es wieder Anschluss an eine Metro Cable (Seilbahn), die Linea J in San Javier. Das ist auch ein Stadtviertel, das mit einer krassen Vergangenheit aufwarten kann. Diese Selbahnfahrt führt dann über einen Bergkamm und anschließend hinunter. Wir erkennen die Nordeinfahrtsroute nach Medellin wieder.
Im Supermarkt neben unserem Hotel kaufen wir ein und es gibt ein lang ersehntes, kaltes Abendessen mit Brot europäischer Art, italienisch verarbeiteter Wurst, Schinken Serrano Art, Käse, frischer Paprika und Rotwein in unserem Apartment. Unglaublich gut nach so vielen Wochen andersartiger Küche. Wir sind erschöpft von so viel Stadttumult und schlafen tief.

Der nächste Tag wird ein Reisetag - es soll in die Kaffeezone gehen, von der wir das nächste mal berichten.

Hasta pronto
Susan und Knut

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