6. Reisebericht: Kolumbien Teil 2: Von Medellin nach Sogamosa

Zuletzt berichteten wir aus Medellin.
Der Bus startet am Terminal del Sur in Richtung Pereira. Es stehen 7 Stunden Fahrtzeit auf dem Plan. Kaffeepflanzen, Agaven und Araukarien prägen das bergige Land. Ein Stück begleiten wir den Rio Cauca. Es geht u.a. auch auf einem Bergkamm entlang. Teilweise schauen wir links und rechts gleichzeitig in  tiefste Talschluchten. Ein spannender Fahrtag. Da wir schneller als geplant vorankommen, entscheiden wir kurz vor der Ankunft in Pereira heute noch ein ins gemütlichere Salento durchzustarten. Das W-Lan im Bus leistet hierzu hilfreiche Dienste und wir buchen spontan um. Von Pereira geht es mit einem kleineren Bus weiter bergauf. Salento ist schon von Weitem am gegenüberliegenden Berghang zu sehen.

Salento
Unser Zielort wird noch vor Sonnenuntergang  erreicht. Wir stiefeln mit unseren Rucksäcken hinauf zum Hauptplatz. Mit Volksfeststimmung werden wir empfangen ... es ist wieder Sonntag und man feiert gerne in Kolumbien. Wir steigen bei Maria, in der Possada del Cafe ab. Alles ist wie bei Muttern, inkl. Kolibris im Gartenpatio. Die Zimmer haben Charme, aber die Bettdecken in so alten Mauern, in diesen Höhenlagen sind anfangs etwas klamm.
Salento gefällt uns, obwohl bereits viel touristischer Schnickschnack angeboten wird. Es gibt guten Kaffee aus uralten italienischen Dampfdruckmaschinen.

Italienische Kaffeemaschine Salento Salento
Das Städtchen auf 1900 müNN ist trotzdem urig, die Häuser im Paisa-Stil mit schönem Holzschnitzwerk. Am nächsten Tag schlendern wir in den Gassen und machen einen Spaziergang zur außerhalb liegenden Finca El Ocaso. Poncho mit Hut trägt man hier gerne in Kombination. Wir genießen die vom Kaffeeanbau und der Rinderzucht bestimmte, ländliche Idylle. Es gibt wieder viel Federvieh zu beobachten. Plötzlich setzt massiver Regen ein. Wir finden bei einer Familie kurzen Unterschlupf. Später, nach dem Finca-Besuch im Dauerregen, bringt uns ein Jeep zurück.
Nach einer Beratung durch ein lokales Treckingunternehmen, blasen wir die angedachte Dreitagestour ins Valle Cocora, an den Rand des Nationalparks Los Nevados und den Vulkan del Quinidio ab, da die Wetterlage zu unsicher ist. Die Wege sollen extrem schlammig sein.
Außerdem ist es nicht wirklich erbauend in solchen Höhen auf glitschigen Pfaden in Wolken mit Sichtweiten von 20 m zu wandel(r)n.

Im Cocora Tal mit Trogon und Forelle
Am nächsten Morgen scheint morgens ausnahmsweise die Sonne ... also beschließen wir,  zumindest dem Cocora Tal einen Tagesbesuch abzustatten. Auf Marias Anraten starten wir, zwar etwas verspätet, die Tagestour, die ohne Guide möglich ist. Um 9.30 Uhr bringen Jeeps letzte bewegungswillige Wanderer zum Startpunkt im Tal. Aufgrund eines Tipps eines jungen Pärchens laufen wir den Weg in umgekehrter Richtung (Vorschlag: Geradeaus und nach 600 m rechts abbiegen - hier steht ein Pavilion: Wegezoll für die Fincageländequerung). Perfekt.
Es geht stetig bergauf, über grüne Hügel, gesäumt von den hier vorkommenden berühmten Wachspalmen. Eine Art, die bis zu 60m hoch wird, übrigens der Nationalbaum Kolumbiens.
Ein breiter Forstweg erleichert das Gehen. Immer wieder bieten sich tolle Blicke zurück in das Tal mit den Viehzuchtfincas. Die Sicht ist akzeptabel.
Kurz vor dem Nebelwald treffen wir auf unsere lauten Freunde, diesmal blauköpfige Papageien, die sogenannten Amazonen. Orchideen schmücken den Wegesrand.

Schwarzer Papagei Schwarzer Papagei

Beim weiteren Aufstieg entdeckt Susan mitten im diesigen Grau des Bergnebelwaldes, keine 10m entfernt von uns, einen unglaublichen Farbklecks. Ein Trogon (Collared Trogon), der erste Trogon unseres Lebens (siehe Bildergalerie).

Trogon im Bergnebelwald
Die bekannteren Quetzale gehören zur gleichen Familie. In völliger Ruhe lässt sich dieser seltene Vogel von uns beobachten - allein dafür, hat sich die Tour heute schon gelohnt. Am höchsten Punkt, bei ca.2900 müNN, an der Finca La Montana nehmen wir nur einen kurzen Kaffee zwischen den unzähligen Kolibris. So langsam setzt der Nachmittags-Nieselregen ein, der uns auch auf dem Rückweg begleitet. Die komplette Regenmontur ist trotz Waldblätterdach hilfreich. Es gibt viele Pilze u.a. Röhrlinge und auch Fliegenpilze. Moose, Farne, Bromelien, Greisenbarte und andere Flechten charakterisieren diese Vegetationszone. Diese Strecke bergab zu wählen ist eine gute Idee, weil man diesen Märchenwaldtrail entspannter genießen kann.

Fliegenpilz Röhrling

Der Pfad führt steinig bergab, von Schlamm und Pferdeködeln unterbrochen. Immer wieder queren wir einen kleinen Flußlauf über Hängebrücken. Danach öffnet sich das Tal und wir kommen uns fast wie in der Schweiz vor ... auch der Regen lässt langsam nach. Am Ausgangspunkt teilen wir uns eine Forelle aus der hiesigen Zucht und freuen uns über einen gelungenen, wenn auch recht kernigen, nassen Wandertag. 5 Stunden Laufzeit, wenn man nicht nur hetzen möchte.

Kaffeefinka - Finca de Cafe El Balso
Ein Aufenthalt in einer Kaffeefinka soll bei einem Kolumbienaufenthalt nicht fehlen. Laut Reiseführer könnte es bei Armenia passende Landgüter für uns beide geben. Die Fahrt nach Armenia ist schnell bewältigt. Wir hüpfen in einen kleinen Bus, der halbstündlich vom Hauptplatz in Salento abfährt. Es geht eine gute Stunde durch das bergige Kaffeeanbaugebiet. Armenia, die Hauptstadt des Departamento Quindo, Zentrum des Kaffeehandels wirkt chaotisch. Hier haben in der Vergangenheit schwere Erdbeben gewütet. Am Busbahnhof steigen wir in ein Taxi. Wir finden dann gemeinsam mit dem Fahrer auch unsere Wunschunterkunft und verbringen 2 entspannte Tage auf der Finka de Cafe El Balso, die im schönen Paisa-Stil gebaut ist. Das Wetter ist uns hold und neben kurzen Spaziergängen auf der Farm zwischen Kaffee- und Kochbananenpflanzungen, springen wir immer wieder mal in den Pool. Die Abkühlung tut gut. Der Stern hat hier auf ca. 1300 müNN viel Kraft. Die Los Nevados Höhenlage und der Vulkan del Ruiz zeigen sich kurz in ganzer Pracht.

Die Finca el Balso Die Finca de Cafe el Balso Kaffeepflanze

Bei einem Exkurs zur Kaffeemarktlage Kolumbiens und vielen Infos zu Kaffeepflanzen, -bohnen durch den betagten Eigentümer und Agraringenieur Julian Morales de la Pava, können wir einige neue Erkenntnisse mitnehmen.
Auf dem Gelände der Finka sind wir von Unmengen Getier umgeben. Papageien, Tanager, Flycatcher (rot-schwarz), Finken, Ibisse usw. geben ein ständiges Konzert. Raubvögel ziehen ihre Kreise. Agoutis durchstreifen das Gelände. Sie mögen die reifen Mangos. Hörnchen krabbeln in den Bäumen. Nachts kratzen ganze Gruppen "Unerkannter" über unser Zimmerdach.
Wir genießen die Abgeschiedenheit, totz der Stadtnähe. Doch wer rastet der rostet!

Bogota - Candelaria
Wir ziehen weiter zur Hauptstadt Kolumbiens: Bogota ist unser nächstes Zwischenziel. Die Stadt auf 2600m üNN auf der Zentralen Kordillere des Landes. Wir kriegen hier sozusagen die Kurve, die Route zurück in die nördliche Richtung. Bergab und erneut bergauf, das ersparen wir uns und wählen den Flug mit einer ATF 72 von Armenia. Diesmal haben wir immerhin zwei Propeller. Außerdem lohnt der Blick von oben auf die Bergketten und Flussläufe. Der Fünftausender del Ruiz lässt sich, in Wolken gehüllt, ein letztes Mal erahnen. Auf Wiedersehen Cordillera Occidental. Unendliche Weiten in Richtung Süden und Osten. Die bizarren rotbraunen Steinformationen der Tatacoa-Wüste am Horizont. Das ist Reisen.
Im Hotel Continental haben wir im Internet ein passendes Angebot gesehen und buchen uns kurzerhand im Stadtteil La Candelaria ein. Am folgenden Tag besichtigen wir die Altstadt, viele alte Kirchen und treffen auf den großen Plaza Bolivar - DER Platz Kolumbiens (aber nicht der allergrößte - davon berichten wir später). Viel Geschichtsträchtiges. Ein Rundgang um das Regierungsviertel beschließt den Tag. Dünne Luft, noch tiefer Atmen ist angesagt. Der Einkauf in einem Feinkostladen verführt zum kalten Abendessen nach deutsch-italienisch-kolumbianischer Art in unserem Apartmentzimmer. Einfach gut.

Hauptplatz

Das Goldmuseum, ein Highlight Bogotas, kann sonntags kostenlos besichtigt werden. Sehr bezaubernde, teils filigrane Exponate. Unglaublich, dass diese Kunstwerke doch erhalten geblieben sind (bei der unstillbaren Gier der Spanier nach diesem Material). Erschütternd, wenn man sich vorstellt, dass diese Geier Unmengen solcher Schätze einfach eingeschmolzen haben. Die indigenen, präkulumbianische Werke verschaffen heute die Möglichkeit einige Aspekte der Lebens- und Denkweise dieser Volksgruppen zu erkunden.

Blick auf Bogota Blick auf Bogota

Auch in Bogota lockt eine Gondelbahn mit einer tollen Aussicht. Da wieder einmal Wochenende ist, müssen wir etwas anstehen, aber der Blick von Cerro Monserrate auf die Savanne von Bogota im Spiel von Sonne und Regenwolken ist beeindruckend. In der Kapelle des Santuario findet ein Gottesdienst statt. Ein abendlicher Altstadtrundgang inklusive der Plazoleta del Chorro de Quevedo, dem eigentlichen historischen Herz der Stadt und das Resteessen im Apartment beenden den Aufenthalt in der Hauptstadt.

Auf nach Villa de Leyva
Am nächsten Morgen geht es vom Busterminal nach Villa de Leyva. Der reichere Norden Bogotas ist mit Apartment- und Bürotürmen übersät, Plattenbauten folgen. Die Stadt zieht sich unendlich. Die Strecke danach ist eintönig, da es auf einer Autobahn geradeaus geht. Eine gigantische Hochebene, auf der man die Gesamthöhenlage nicht wahrnimmt. Wir kommen gut voran, das ist das Beste an der Sache. Steinbrüche hinterlassen eine zerfleddert wirkende Landschaft. Urbaner Lebensraum. Unmerklich geht es bergan bis knapp über 3000 müNN. Die Umgebung wird wieder sehenswert. Wir fühlen uns an das Allgäu erinnert. Reichhaltiger Boden bringt Kartoffeln, Kürbisse, Zwiebeln hervor. Es ist Erntezeit. Manche Häuser sehen wie Finnenhütten aus. Irgendwann biegt der Bus ab. Es geht anfangs durch noch saftige Täler, bis es zusehens trockener wird. Vermehrt säumen Kakteen und Agaven den Straßenrand. Unerwartet kahle Bergrücken tauchen auf - in dieser Kargheit liegt das wahr gewordene koloniale Märchen.

Villa de Leyva
Mit seinem angeblich größten Platz Kolumbiens, von gekalkten Häusern umgeben, freunden wir uns sofort an. In dem im Kolonialstil erbautem Hotel San Antonio haben wir ein geschmackvolles Zimmer mit knarrenden Dielen, Sichtmauerwerk, Balkon und Blick auf den Park Narino.

Nice room Nice room
Wir freuen uns über das trockene, milde und angenehme Klima. Der angebotene Wäscheservice in einer Seitengasse ist uns sehr willkommen. Selbstgewaschenes trocknet hier ebenfalls schnell. Knut geht zum Friseur.

Friseurtermin Hauptplatz

Bei einem Bier am dem wirklich eindrucksvollen Plaza Prinzipal treffen wir Ulli, einen deutschen, pensionierten Pflanzenzüchter und wir erfahren etwas über die Umgebung und die Menschen hier, die unserer Kultur und Lebensart angeblich sehr ähnlich sein sollen.
Wir wollen eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt machen, doch leider ist der Weg geschlossen. Hier mal wegen Wassermangel. Wir staunen nicht schlecht. Alternativ statten wir dem ansässigen Museum mit seinen Fossilien einen Besuch ab. Ein durchaus interessanter paläontologischer Hotspot! In dieser Umgebung wogte vor 150 Millionen Jahren ein Meer. 

Fossilienmuseum Fossilienmuseum

Neben Ammoniten, Trilobiten gibt es originale Skelette von verschiedenen Meeressauriern, z.B. dem Ichthyosaurus und dem Elasmosaurus. Unerwartete Höhepunkte.
Auf dem Rückweg erkunden wir einige der planquadratisch angelegten Gassen. Viele, viele Steine sind dabei zu überqueren. Unseren Treckingsandalen sind dieser sehr groben Steinpflasterung gerade so gewachsen. Mit Absätzen ist Balancieren angesagt. Schöne Natursteine, über die schon Simon Bolivar geritten ist. Abends gibt es Rindfleisch in kolonialer, spanischer Atmosphäre und unter einem fantastischen, klaren Sternenhimmel.

Sogamoso - das Rom der Chibchas oder das Tal der Sonne
Die Lust auf Höhenmeter,  mehr Abenteuer und körperliche Herausforderung  ist noch nicht so richtig gestillt. Das Hochland in der Zentralkordillere, das Herzstück des Departamento Boyaca wird auserwählt. Eukalyptusbäume und Pinien schaffen es noch bis in diese Höhenlagen. In der etwas außerhalb von Sogamosa gelegenen Finca San Pedro auf über 2600 m üNN finden wir eine nette Bleibe und erkunden beim Stadtbesuch auch gleich das archäologische Museum mit vielen Informationen über die auch noch heute hier ansässigen Ureinwohner, die Muisca.
Von Werkzeugen über fein gewebte Stoffe bis zu Keramiken und Waffen ist hier vieles eigenwillig aufbereitet. Mit unserem Spanisch reimen wir uns das eine oder andere zusammen. Alles wirkt etwas verstaubt, aber genau deshalb ist es sehenswert. Skurrile Austellungsstücke, viele menschliche Knochen und alte Mumien, auch von Kindern sind zu sehen. Der Nachbau des legendären Sonnentempels im Außenbereich ist ebenfalls bemerkenswert. In der Nacht ist zumindest für Susan die Fliesunterwäsche angesagt.
Am nächsten Tag umrunden wir per Bushopping den höchstgelegen See Kolumbiens, den Lago de Tota. Es riecht bald überall nach Zwiebeln. Zwiebelfelder wohin wir auch schauen. Lauchzwiebelerntezeit. Authentische  Dörfer, aus denen teilweise erst vor wenigen Jahren die Guerilla vertrieben wurde. Die erste Station ist Aquitania. In der mit prächtigsten Blumengestecken geschmückten Kirche findet gerade eine Beerdigung statt. Wir ziehen uns zurück. Viele indigene Gesichter. Man trägt Ponchos aus Schafswolle. Mittagessenszeit. Es gibt Forelle. Unser Weg führt weiter entlang des Seeufers und wir gelangen zum Playa Blanca auf 3015 müNN. Kalkgestein macht es möglich.

Playa blanca Playa blanca - Kaffeestop
Kaffepause mit Nordseefeeling - Tinto nennt man das kleine schwarzes Gebräu. Der nächste Bus gabelt uns wieder auf. So gefällt uns das. Zur Abwechslung  gibt es auch Erbsenanbau. Über Tota, Cuitiva und Itza tuckert der Bus zurück nach Sogamoso.
In der Gemeinschaftsküche kocht Knut für uns am Abend Spaghetti mit Tomatensoße. Ein Pärchen aus der Schweiz versucht sich an einem Gemüserisotto. Gut, dass es chilenischen Rotwein gibt. Interessante Gespräche über die Guerillastrukturen und Hintergründe. Die beiden sind Ethnologen. Er hat in Bogota studiert.
 
Wanderung im Paramo de Oceta
Uns zieht es aber vor allem wegen den Hochmoorgebieten, dem sogenannten Paramo hierher.
Es gibt nur wenige Bereiche weltweit, mit dieser besonderen Flora und Fauna (Tropen über 3400 müNN z. B: Kilimanjaroregion).
6.15 Uhr Frühstück. Gemeinsam mit Erin, einer Amerikanerin und ihrem kleinen adopierten Hund starten wir zu dieser Wanderung (Profil ca. 18 km 1000 Höhenmeter, 2900 bis 3900 müNN). Der erste Bus wird wegen dem verspäteten Taxi verpasst. Gegen 9.00 Uhr treffen wir auf dem Hauptplatz ein. Unser Guide Maria führt uns eine gefühlt unendliche Steintreppe steil aus dem Dorf Mongui. Koloniale Idylle im Nieselregen. Wir streifen auf dem Weg Steinriesen, die die Muisca für rituelle Zeremonien nutzten. Von Maria, selbst Muisca, erfahren wir einiges über diese Bräuche und ihre Bedeutung. Nach einer weiteren Stunde ändert sich die Vegetation. Es geht auch in eine mystische Schlucht mit diversen Engstellen und Öffnungen .... hier kommt Kletterfeeling gepaart mit Platzangst auf. Langsam setzt steter Regen ein. Lupinen und besondere Korbblütler, die gelb blühenden Schopfrosetten (Espeletia, teilweise bis zu 200 Jahre alt) und Arnikaarten übernehmen die Regie.

Im Paramo Paramo Die drei Damen mit Hund
An den Kammstellen des Bergrückens und auch auf der Hochebene kommt dann eine steife Brise hinzu. Kalt. Hier oben, auf knapp 4000 m, steht dann irgendwann eigentlich alles unter Wasser. Wir stapfen durch Gräser u.a. Seggen, Bärlappe und über Mooskissen. Immer wieder queren wir anfangs noch kleinere Rinnsale, die sich später zu Bächen auswachsen. Teilweise sind die Wanderstiefel im Boden verschwunden und nach und nach bleibt kein Fuß trocken ... sockenschmatzend setzen wir unseren Weg fort. Der Wasserstand in den Schuhen variiert. Spannende Erfahrung. Durch die komplette Regenbekleidung und die Bewegung bleiben der Körper und die Füße allerdings warm. Unser tierischer Begleiter will übrigens schon lange nicht mehr und wird getragen.
Trotz oder vielleicht auch durch die Wetterlage können wir eine beeindruckende Szenerie wahrnehmen. Ein Wasserfall und die Laguna Negra stimmen sich im Gesamtbild ein. Auf dem Rückweg steigen wir mehrfach über Stacheldrahtzäune und queren Weideflächen. Maria kennt sich aus. Allein wären wir verloren.

Edelweiss Paramo See im Oaramo

Als wir uns dem Dorf am späteren Nachmittag  auf dem Rundweg wieder nähern, lässt sich sogar die Sonne blicken ...  die Socken werden ausgerungen, Stiefel ausgegossen. Bergpanorama vom Feinsten. Ein gemeinsamer Kaffee wärmt die kalten Hände, Gespräche über die Lage der Frauen in dieser Gesellschaft, die Bedeutung von Berufstätigkeit und eine innige Umarmung bei der Verabschiedung beenden den Tag mit Maria. Susan wird es auf der langen Rückfahrt im Bus jetzt ohne Aktivität richtig kalt. Unangenehm in so nasser Kleidung. Die lauwarme Dusche schafft Abhilfe. Ein Lieferservice aus der Stadt bringt das Essen. Gute Nacht.
Wir konnten ins wärmere Haupthaus umziehen. Gemütlich. Ein Kamin brennt. Flies entfällt :-) .
Fazit zur Tour: Wir würden es wieder machen, wenn wir es noch nicht gemacht hätten :-). Es ist auf jeden Fall ein langer, echt harter Tag bei solchen Wetterbedingungen. Uns reicht es jetzt allerdings wirklich in diesen Höhenlagen. Die Langarmkleidung ist waschreif. Ein Kleinbus bringt uns morgen nach Bucaramanga. Eine mehr als abenteuerliche Fahrt. Davon berichten wir aber dann im nächsten Bericht.

Es grüßen
Susan und Knut

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