Kambodscha 

Zuletzt berichteten wir von der Insel Phu Quoc in Vietnam und hier starten wir auch wieder. 
Da es die letzten Tage sehr windig ist, lassen wir uns morgens um 6:30 Uhr bestätigen, dass die Fähre ans Festland heute auch wirklich ablegt.
In der Küstenstadt Ha Tien haben wir etwas Zeit in den ruhigeren Gassen zu Bummeln und zum Erledigen kleinerer Besorgungen. Man weiß ja nie, was danach kommt.

Mit weiteren Reisenden geht es im Minibus zur Grenze Vietnam/Kambodscha. Der Niederländer Rob ist uns sehr sympathisch.

Grenzübergang nach Kambodscha

Die Grenzbeamten auf beiden Seiten machen einen sehr ernsten und finsteren Eindruck. Die Formalitäten werden weitgehend über den Fahrtenservice erledigt. Unsere Gesichter werden fotografiert und Fingerabdrücke erfasst. Ein Hauch des Kalten Krieges weht uns entgegen. Eine merkwürdige Schwüle und Spannung liegt im Niemandsland. 

Endlich, die Einreise nach Kambodscha. Alles wirkt deutlich ländlicher. Reisanbau und Wasserbüffel prägen das Bild dieser Gegend. Die alten Holzhäuser auf Stelzen wirken noch sehr traditionell. Nach den unzähligen chinesischen Tempeln und überraschend vielen Kirchen in der Mekong-Ebene Vietnams sehen wir hier Pagoden im kambodschanischen Stil und viele kleine Schreine mit Opfergaben am Straßenrand.
In unserem heutigen Tagesziel, dem schönen Städtchen Kampot, gibt es eine rege Traveller-Szene.  Als heutige Bleibe wählen wir das koloniale Gebäude des Hotels The Column. Ein kleines aber kuscheliges Zimmer mit Dachterrasse heißt uns willkommen. 
Schlendern ist am Nachmittag angesagt. Nette Straßenzüge mit reichlich kolonialem Baustil inklusive Lotusblütenbassin gefallen uns, Geldtausch und Sim-Karte inklusive. Weiter geht es entlang des Flusses und in Richtung Abendessen. Im Anschluss treffen wir uns mit den Langzeitreisenden Rob und Frederick ... ein besonderer Abschluss des Tages mit interessanten Gesprächen über den Sinn des Lebens, Religion und Philosophie.
Monsunregen und zwei spannende junge Männer auf ihrer Suche.

Doch wir wollen etwas mehr Natur erleben... So nehmen wir Kontakt zu dem deutschen Auswanderer Thomas auf, der an dem Fluss Preat ein kleines Resort in der Natur aufgebaut hat. Die Anreise leidet unter Platzmangel. Da der Bus nicht kommt, holt uns plötzlich ein Privattaxi ab. 7 Personen inklusive Reisegepäck in einem PKW. Drei Stunden quetschen wir uns auf einem Sitzplatz, Susan mehr oder weniger auf dem Schoß von Knut. Bequem geht anders. Der Fahrer entschuldigt sich mehrfach für diesen kambodschanischen Stil.
Thomas´ Neptun Resort ist nur auf dem Wasserweg erreichbar liegt in der Nähe des Tatai Wasserfalls, den wir auf einer zweistündigen Trekkingtour und im Anschluss mit dem Kajak besuchen. Eine kleine, grüne, ungefährliche Baumschlange und viel Gezwitscher im Geäst müssen als tierische Ausbeute genügen. Wir kämpfen uns mit Guide Spon und seiner Machete durch das Unterholz im Bambusdschungel. Am Hang wachsen auch Urwaldbäume mit Brettwurzeln. Viele unserer Pfade folgen kleinen Wasserläufen … das knöchelhohe Schuhwerk erfüllt seinen Zweck.

Die sehr seltenen Siam Krokodile gab es hier noch vor einigen Jahren. Seitdem Chinesen im Oberlauf des Flusses einen Staudamm bauten, sind sie nach Thomas´ Aussage verschwunden. Weiter oben im Kardamomgebirge leben noch Exemplare. Leider ist eine Durchquerung des Gebirges in der Regenzeit nicht ratsam.

Wir fühlen uns sehr wohl und können das ziemlich autark versorgte (Wasser, Strom) Ressort empfehlen. Auch viel Baumaterial stammt vom Grundstück selbst. Unser Stelzenparadies ähnelt einem Vogelnest – sehr liebevoll gestaltet. Ein echter Handwerker, gelernter Maler und Selbstständiger im Lehmbau ist hier unverkennbar tätig. Essen: schmackhafte asiatische Küche mit deutschen „Akzent“.
Zu unseren tierischen Mitbewohnern zählen wir einen sehr großen, gefleckten Gecko,  den mittlerweile gefährdeten, farbenprächtigen Vogel Mangrove Pitta, Kakerlaken und eine Ratte in der Badehütte. Es gibt erstaunlich wenige Mücken. Ein weiterer Abend auf der Flussterrasse mit Glühwürmchen und einer sonst tiefen Dunkelheit geben dem Tag das letzte Quäntchen.

Phnom Penh

Dank booking.com finden wir im Secret Villa ein großes Apartment für wenig Geld. Wäscheservice ist ebenfalls angesagt. Viele unserer Sachen sind im Regenwald schmutzig und feucht geworden. Manches muffelt leicht.
Ein Besuch der Silberpagode gehört zum Pflichtprogramm jedes Besuchers in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Das Innere ist auf jeden Fall auch den Besuch wert. 
Nicht unbedingt nur wegen der silbernen Bodenfliesen, die man im Eingangsbereich sehen kann und die ansonsten unter einem großen Teppich verborgen liegen. Vielmehr die anderen Ausstellungsstücke, wie die vielen Buddhas, teilweise mit aufwändiger Diamantverzierung und weiterer königlicher Zierrat sind sehr sehenswert und sicher äußerst wertvoll.  Auch der „Smaragdbudda“ aus einem grünen Kristall zieht viele Blicke auf sich. Der Abend klingt im Kneipenviertel aus. Rotlicht lässt grüßen. Grenzwertige Momente.

Siem Reap und Angkor Wat

Bereits in Thailand sind wir auf die Khmer Kultur getroffen und haben den in Phi Mai besuchten Khmer Tempel in guter Erinnerung. 
Seitdem träumen wir immer wieder, wenn im Fernsehen Bilder von Angkor Wat oder Angkor Thom zu sehen sind. Vielleicht das wirkliche Ziel unserer diesjährigen Tour. 
Dieses Highlight, wahrscheinlich jedes Kambodscha Reisenden, steht also tatsächlich als nächstes auf unserem Plan. 
Noch am Nachmittag besuchen wir das Angkor Wat Museum in Siem Reap. Unsere Empfehlung, um später in den Tempelanlagen mehr verstehen zu können und selbst entdecken zu können. Ein Audioguide unterstützt. Die übersichtlich und eindrucksvoll gestaltete Sammlung macht Lust auf den nächsten Tag.
Mit dem Tuk Tuk fahren wir nach Angkor Wat und lassen die Anlage auf uns wirken. Unabhängig vom Ausmaß der größten Tempelanlage der Welt, haben uns vor allem die Reliefs begeistert. Nahezu jedes Stück Sandstein wurde mit Werkzeugen kunstvollst bearbeitet. Wände mit Verzierungen oder Abbildungen erzählen ganze Geschichten von Schlachten oder Mythen. Unvorstellbare Arbeitszeit wird das in Anspruch genommen haben. Zeit muss damals, vor etwa 800-1000 Jahren eine völlig andere Wertigkeit besessen haben.  Angkor Wat als Monument steht als ein absoluter Gegenentwurf zu unserer heutigen Wegwerfmentalität, der Idee von Zeit ist Geld und dem Effizienzunwesen.  Was muss Menschen bewegt haben, ein solches Bauwerk zu beginnen und dessen Fertigstellung einer Nachkommenschaft zu überlassen? Woher die intrinsische Motivation zu so viel Detailverliebtheit verbunden mit enormen handwerklichen Geschick? Diese intensive Wahrnehmung strengt an, Stunden vergehen.
Viele Besucher beschäftigen sich allerdings weniger mit den Bauten. Oft dienen diese leider nur als Kulisse um die besten Selfies zu machen. Die lokalen Guides sind sich dessen bewusst und setzen insbesondere Besucherinnen an den betreffenden Stellen gekonnt in Szene. Koreanische Besucher fallen uns hierbei besonders auf. Asiatische Gruppenreisende fegen lautstark durch die verschiedenen Bereiche. Gegen Mittag wird es ruhiger. Außerdem ist in den hinteren Außengewölbegängen der dritten Einfassung sowieso wenig Trubel. Hier sind wir in der „Stadt, die ein Tempel ist“ wirklich angekommen. Im inneren Tempelbereich sind drei Terrassen zu erklimmen. Der relativ noch geringen Besucherzahl der Nebensaison geschuldet, gelangen wir ohne jede Wartezeit nach ganz oben. Es gibt Kleidungsvorschriften.

Der zweite Tag gehört Angkor Thom, der alten Hauptstadt und Ta Prohm.

Der anthrazite Bayon empfängt die Besucher, die das Südtor zu Angkor Thom durchquert haben. Die scheinbar erst unsortierte Masse an Steinen ergibt vom erhöhten, inneren Tempelbereich aus eine Struktur. Die lächelnden Gesichter des erleuchteten Bodhisattva an den Fassaden und Steinturmdächern sind hier bemerkenswert. Weiter führt der Fußweg zum Baphuon, eine Tempelanlage, die dem hinduistischen Gott Shiva gewidmet ist. Hier gibt es noch strengere Zutrittsreglungen. Schwangeren wird der Zugang verwehrt. Das sternförmige Heiligtum war wohl einst von einem Turm gekrönt. Der gesamte Tempel war größtenteils eingefallen, wurde komplett zerlegt und nach Jahren der Unterbrechung (Zeit der roten Khmer) gelang die Rekonstruktion. Beim Verlassen der Anlage kann man den ruhenden Buddha an der Westseite sehen. Phimeanakas, Elefantenterrasse….. . es gibt unendlich viel zu sehen.

Weiter geht es mit dem TukTuk vorbei an Ta Keo, dem Tempelberg. Hier muss ein Blick genügen.

Ta Prohm – ein dem Buddhismus geweihter Komplex
Der aus Filmen (Indiana Jones, Tomp Raider) bekannte Tempel ist vor allem wegen seinen von Baumwurzelwerk umschlungenen Mauern bekannt. Immer wieder findet man Urwaldriesen mit gigantischen Brettwurzeln, die wie Würgeschlangen die alten Mauern umklammern oder in sie hineindringen. Die Kraft der Natur gibt neuen Mut und mit Sicherheit geht es auch nach dem Kapitel Mensch irgendwie weiter auf unserem Planeten. Durch die besondere Kombination aus alten Steinen und lebendiger Pflanzenwelt ist Ta Prohm vielleicht der inspirierendste Ort bisher. Erinnerungen an Copan (Honduras) kommen auf.

Nach zwei Tagen mit vielen Relieffabbildungen sind wir erst einmal nicht weiter aufnahmefähig und nehmen einen Tag Ruhepause im unserem schönen Angkor Villa Resort und Spa Hotel. Schreiben, lesen, schlafen, eine gute Entscheidung - Regentag.

Einen Abstecher zur Pub Street sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man Partyszenerie, ein Abendessen oder ein billiges Bier sucht. 
Am letzten Tag in Siem Reap und Susan´s Geburtstag besuchen wir ein Stelzendorf am Tonle-Sap-See mit freundlichem Besuch in der Familie unseres Bootsmannes, der Englischschule und der örtlichen Pagode. Auch wenn es touristisch abläuft, erleben wir eine dörfliche Lebensechtheit dieser Fischerfamilien. Wellblechhütten auf meterhohen Pfahlbauten, unglaubliche Konstrukte. Mit bloßen Leitern müssen viele ihre vier Wände erklimmen. Bei Hochwasserstand in wenigen Monaten wird die jetzt begehbare innere Dorfstraße überflutet sein. Ein exzentrischer Platz zum Leben.
Weitere Tempel aus der Roluos Gruppe (sehr angenehme ruhig gelegene Orte) runden die Besichtigungen der Khmertempel rund um Siem Riep ab ... sehr alte Ruinen aus dem 8. Jahrhundert.

Es gäbe noch unendlich viel zu sehen. Man muss seine Auswahl treffen.

Zum Abschluss unserer Reise geht es nun in den Südosten Thailands. Die schöne Insel Koh Chang soll einen Besuch lohnen. Doch davon mehr im nächsten Bericht.

Liebe Grüße von euren Reisenden
Susan und Knut