Dubai - eine spezielle Stadt

Warum Dubai häufig bereist wird, war uns bislang ein Rätsel. Da unser Flug nach Vietnam einen Stopp in Dubai ermöglicht, haben wir uns entschlossen hier einmal reinzuschauen - zwei Tage und drei Nächte haben wir Zeit, uns ein eigenes Bild zu machen. 

Bei über 40 Grad Celsius, auch am Abend, ist ein normales Begehen der Stadt ohne körperliches Quälen eigentlich nicht machbar. Dies scheint uns auch überhaupt nur in der Altstadt am Dubai Creek möglich zu sein, denn viele andere Bereiche sind als reine Autostadt zu bezeichnen.
Man bekommt kein großes Interesse an den elenden Häuserschluchten entlang zu laufen und einige Straßen sind teilweise nicht oder nur umständlich für Fußgänger überquerbar. 

Bei Nutzung der gut ausgebauten Metro sind die verbindenden Förderbandtrassen teilweise so angelegt, dass man das Gefühl bekommt sich im klimatisierten Labyrinth zu verlieren und unsinnige Umwege ertragen zu müssen.
So tippelt man durch Shopping-Tempel … wie Mäuse auf dem Weg zum „individuell“ konditionierten Kauf-Käse-Wunsch von dem einen sich wiederholenden Markenshop zum nächsten.
In der Metro selbst trifft man auf das eigentliche Herz Dubais: Die Arbeitsbienen, die Fremdarbeiter aus Nepal, Pakistan, Iran, dem Kaschmirgebiet usw., ohne die hier in Dubai wahrscheinlich gar nichts ginge. 

Die nicht unbedingt unfreundliche aber deutlich wahrnehmbare Herrscherklasse, wir nennen sie mal Weiß- und Schwarz-Gewandete, trifft man vor allen Dingen abends ab 19 Uhr in den unzähligen Malls. Vollverschleierte Frauen ziehen mit Taschen von Dior und Co durch die Kunstwelt. Wo soll man sich auch sonst treffen, denn im Freien bei über 40 Grad würde man zerschmelzen. 

Wie man liest, können wir Dubai nicht so viel abgewinnen und fragen uns wie es hier in 20 Jahren aussieht, wenn das Öl ausgegangen ist. Der Vergleich mit Las Vegas zwingt sich uns immer wieder auf, da auch hier alles künstlich mitten in der Wüste steht. Aber immerhin bekommt man in Sin City auch ein Bier im Restaurant oder im Außensitzbereich und nicht erst im zweiten Stock, wo es einfach nur niemand sieht. 

Der Tagesbeginn im alten Teil, dem Textilmarkt, in der Nähe des Museums, ist etwas für unseren Geschmack. Ein alter Mann zahlt einfach unsere Überfahrt mit einem Holzbötchen auf die andere Creekseite, da wir nur Scheine dabei haben. 
Der beeindruckende Besuch des höchsten Hauses der Welt, das Burj Khalifa wird durch eine diesige Sicht leider stark beeinträchtigt ...diese Wetter/ Luftlage  ist hier keine Seltenheit. Der leicht getrübte Sonnenuntergang geht aber in eine schöne Dämmerung  mit anschließendem Lichtermeer über.  Die Wüste lässt grüßen.

Ein Abendessen am gigantischen Springbrunnen mit Musik und die Lichtshow auf der gesamten Gebäudefläche des Burj Khalifa hinterlassen eine gewisse Entzückung und runden diesen Tag ab. Glamour und Glitzer kann man also in Dubai. Könnte dies ein Reisegrund sein?

Am nächsten Morgen versuchen wir die Jumeirah Moschee zu besuchen, doch wir kommen gerade zum Freitagsgebet. Viele Männer sitzen sogar vor dem sandfarbenen Gebetshaus.
So entschließen wir uns, die südlicheren Gebiete Dubais zu erkunden. Hierzu bieten sich wieder Bus, Tram und Metro an. Das Tagesticket macht es möglich. Eintöniges Allerlei zieht an uns vorbei.

Am weltweit einzigen, sich selbst ausgestelltem 7 Sterne-Hotel, dem Burj al Arab, steigen wir kurz aus. Doch schon von weitem ist erkennbar, dass hier alles weiträumig abgesperrt ist. Wir können das Segel gut sehen. Für die Suche nach einem Weg in Richtung Strand ist es einfach zu heiß und wieder einmal zu weitläufig, also weiter. Einen Eintritt hatten wir sowieso nicht geplant.
Zum Glück gibt es in Dubai klimatisierte Bushaltestellen. 

Südlich der Palme, wir haben über 30km zurückgelegt, finden wir dann einen für alle zugänglichen Strandabschnitt umrahmt von Bettenburgen. Hier sammeln sich die sonnenhungrigen Touristen, um im Eiltempo zum Grillhändl zu mutieren. Wir schlendern dieses Stück Strand mit Daypack entlang und passen nicht so recht ins allgemeine Bild. 
Im Hilton Jumeirah Beach Hotel erfrischt uns dann ein Kaltgetränk. 

Mit Tram und Metro und einem weiteren, kurzen Besuch in einer Mall, sind wir endlich wieder im Hotel (Best Western Plus Pearl Creek). Aus dem Zimmer blickend, sehen wir die Restaurant-Boote die direkt hier am Dubai Creek ablegen - unsere heutige Option. 
Nach zwei Stunden mit vorrangig indischem Buffet, Zauberer, tanzendem Derwisch, inklusive kochend heißem Fahrtwind legen wir wieder an und bereiten uns für den Abflug nach Vietnam vor. Angenehmer Abend.

Fazit: 
Heiß, unecht, sichtbare Klassengesellschaft, Geschlechtertrennung, Konsum ohne Substanz, riesige Baustelle, Gold und Glanz, Staub, Regeln.

Das hat uns gefallen: Der geschmackvolle  Wolkenkratzer Burj Khalifa und das nett gestaltete Museum im Al Fahidi Fort, dem ältesten Gebäude der Stadt (1887). 

Aus dem quirligen Vietnam grüßen
Susan und Knut