Liebe Reisefreunde,

zuletzt berichteten wir aus Dubai.
Ob es uns in Vietnam besser ergangen ist?

Saigon

Die Passformalitäten bei der Einreise am Flughafen gestalten sich relativ unproblematisch und auch die Tauschkurse sind absolut fair.

Wir lassen die normalen Taxis aus, überqueren die Straße und bekommen einen akzeptablen Transport in die Innenstadt für umgerechnet ca. 10 €.
Das schöne Hueng Sen Hotel liegt perfekt im Zentrum, an der Dong Khoi und unser geräumiges Zimmer mit Parkettfußboden und wunderschönem Balkon gefällt. Beim gegenüberliegenden Inder gibt es noch ein leckeres Abendessen. Nachtspaziergang und ab ins Bett.
Im Vergleich zum grotesken Dubai sagt uns das quirlige, lebendige Saigon ( Ho Chi Minh City) auf den ersten Blick sofort zu.

Aufgrund der französischen Kolonialarchitektur bietet Saigon zu dem sonst eher nützlichen monotonen Beton auch größere historische Gebäude wie z. B. das alte Postamt oder auch die würdevollen, alten kolonialen Hotels Rex, Caravelle, Continental oder das Majestic Hotel. Wir versenden im alten Hauptpostamt ganz traditionell zwei Postkarten, die wir hier auf alten Holzbänken mit Stift zu Papier bringen. Nostalgie und analoges Erlebnis in Einem. Ein Bahnhofsfeeling mit tollen alten Fließen in einer regulär arbeitenden Poststelle.

In der Kathedrale Notre Dame sind wir nicht willkommen. Einlass nur für betende Einheimische, da Baumaßnahmen stattfinden. Merkwürdig.

Es lässt sich schön schlendern und Menschen beobachten. Zuckerbäckerbaustil- der Sitz des Volkskomitees- das Rathaus. Wir erleben den Sonnenuntergang in der Heli-Bar über Saigon im Bitexco-Financial Tower in etwa 178 m Höhe, welches einer Lotusblüte nachempfunden wurde.

In den lokalen Streetfoodständen probieren wir diverse Pho´s, die hiesigen Nudelsuppen, in verschiedenen Geschmacksrichtungen aus und auch die frischen, vietnamesischen Frühlingsrollen in Reispapier (auch Sommerrollen genannt) sind sehr sehr lecker.

Diverse Tempel und Pagoden in Chinatown stehen auch auf der Tagesplanung. Harte Stunden im Stadteil Cholon zwischen Zweitaktqualm, Empfindungen und Gerüchen unglaublichster Art. In dem Gewusel bieten diese Stillen Orte eine willkommene Einkehr. Die Göttin der Barmherzigkeit Quan Am spielt eine besondere Rolle und viele Menschen beten zu ihr.

In der Oper besuchen wir aktuell das einzig angebotene Event. Die motivierte Artistik Show junger Studenten ist sehenswert. Wir genießen das Ambiente eines in die Jahre gekommenen Gebäudes französischer Lebensart. Nebenbei danken wir auch für die Kaffeekultur und die schmackhaften Weißmehlbackwaren. Lecker.

Auf dem Dach des alten Rex Hotels entspannen wir dann vom Travelerstress und sehen das Spiel Brasilien gegen Mexiko. Dort treffen wir Deep, einen jungen Literaturprof aus Kalkutta und haben einen sehr interessanten und netten Abend. Was für ein genialer Typ, Kant-Fan, Heine-Fan .... Die Welt hat tolle Menschen zu bieten.

Fazit Saigon:

Ein stetiger Schwall an Zweirädern impliziert ein nicht endendes Hupkonzert. Saigon besitzt ein schönes koloniales Zentrum, eine hervorragende lokale Küche.

Eine angenehme, lebendige, asiatische Großstadt. An den Verkehr haben wie uns adaptiert.

Eine spezielle Busfahrt

Zum ersten Mal in unserem Leben reisen wir in einem Schlafbus. Liegende Fortbewegung... für europäische normale Dimensionen ab einer Körpergröße von 1. 75m nur bedingt geeignet. Susan´s Traumvorstellung seit Jahren, erstmals realisiert.

Die Strecke von Saigon nach Vinh Long gestaltet sich zuerst relativ chaotisch. Die erste halbe Stunde geht es durch das Verkehrsdurcheinander Saigons.

Dann tauchen erste Reisfelder auf. Man bestattet die Toten hier inmitten ihrer Reisfelder. Gräben mit Lotusblüten und Blättern umsäumen die Straßenränder. Wir kreuzen erste tiefbraune Flussläufe.
Unsere Fahrtroute durchquert eine, von intensiver Landwirtschaft geprägte, Region.

Doch dieser Eindruck hält nur kurz. Bereits nach wenigen Kilometern beginnt die stark urbane Mekong-Ebene. Blech- oder Betonhütten säumen den Straßenrand. Im Hintergrund kann man  den Reisanbau erahnen. Viel Dreck und Müll. Man schläft hier gerne … nicht nur im Bus. Hängemattenlokale wohin das Auge blickt. Bonsaitechnik scheint ein beliebter Zeitvertreib oder auch marktwirtschaftlicher Aspekt. Diese Szenerie zieht sich bis zum großen braunen Wasser, dem Mekong hin.

Mekong und Insel Phu Quoc

Unser Hotel in Vinh Long liegt direkt am riesigen Mekong, wieder mit Balkon und direktem Blick auf den Flusslauf. Ein nicht enden wollender Menschenstrom möchte auf die gegenüberliegende Insel An Binh übersetzen... unser morgiges Tagesziel. Die Fähre vor der Haustür füllt sich rasant schnell mit Mopeds. Alles im Viertelstundentakt.

Um die Ecke liegt ein kleiner Nachtmarkt mit Fröschen, Fisch, viel Obst und Gemüse, Muscheln, Schnecken – diese Eindrücke nehmen wir natürlich mit. Eine olfaktorische Herausforderung.

Nach einem leckeren Abendessen lassen wir den Tag in einer Karaoke Bar ausklingen. Für uns unklar, ob es an Talent mangelt oder ob man sich einen Spaß daraus macht falsch zu singen. Hauptsache man ist laut.

Gegenüber in Sichtweite liegt die Früchteinsel An Binh, auf der wir einen kleinen Tagesausflug planen. Es gibt dort jede Menge Homestays mit Familienanschluss. Wir besuchen eine solche Familie und können bei der Produktion von Popreis zusehen. Sie stellen auch Karamellbonbons und andere pflanzliche Knabberwaren her. Hier herrscht Matriarchat. Die älteste Oberhäuptin verwaltet die Finanzen. Viele Schlangen in Gläsern zur Dekoration. Trotzdem irgendwie einladend.
Der nächste Abstecher führt uns in einem Rambutan-Obstgarten. Man kann soviel essen wie reinpasst.

Nach diesem Ausflug geht es weiter nach Can Tho. FUTA-Bus macht´s möglich. Wieder liegt unser Hotel direkt am Mekong mit Balkon und Blick auf die Statue von Onkel Ho. Die Türen und Fenster bestehen nur aus Holzlamellen ohne Glasscheibe … wir sind der Geräuschkulisse direkt ausgesetzt ... Gute Nacht.
Der schwimmende Morgenmarkt von Cai Rang liegt nicht weit entfernt. So starten wir zu diesem Umschlagplatz für Obst und Gemüse morgens um 5:30 Uhr. Die Händler bieten ihre Produkte auf unterschiedlich großen Booten an. Auch kleine schwimmende Garküchen werden von Frauen betrieben. Wir frühstücken auf Vietnamesisch. Es gibt mal wieder eine kleine Nudelsuppe. Nach einem weiteren Kurzbesuch in einem kleinen Obstgarten mit Pamelo, Mangosteen, Mango, Jackfruit, Durian und einem erstem Kaffee geht es zurück nach Chan Tho. Mittagsschlaf. Wir erkunden später das Museum während der Monsun zuschlägt, inklusive Vogelbeobachtung +  Hörnchenalarm auf dem Balkon.

Wir organisieren unseren Trip nach Phu Quoc. Leider fällt dann die 13 Uhr Fähre ab Rach Gia  aus (was wohl öfters vorkommen soll... die morgendlichen Boote sind regulär gestartet) und wir fahren weiter nach Ha Tien, einem ehemaligen Schmugglerort an der Grenze zu Kambodscha. Nach einem lokalen Abendessen mit chinesischem Fondue (Pot) neben einer Baustelle, fährt am nächsten Morgen tatsächlich die Fähre zu unserer ersten Insel Phu Quoc. Auf dem Nachtmarkt im Regen werden vor allem Krabben, Muscheln und Schnecken angeboten.

Im Cocopalm Beach Resort finden wir einen schönen Strand und eine nette Bleibe mit Strandblick-Bungalow. Doch nur am Strand rumhängen kommt für uns nicht in Frage. Also leihen  wir uns ein Moped aus und wollen die Insel erkunden … insbesondere im Norden dieser Insel gibt es ein Naturschutzgebiet mit Primärregenwald.

Wir wollen die Fahrt und unsere Erfahrungen eigentlich gar nicht weiter beschreiben, denn was wir erleben macht uns sprachlos. Die komplette Insel ist eigentlich eine Baustelle und mit Plastik und  Bauschutt zugemüllt. Überall ist der Boden aufgerissen, Steinbrüche zu sehen, der Wald abgeholzt. Die nördlichen Strände sind komplett verdreckt. Auch an den Rändern des Nationalparks wird bereits gebaut. Eine Route, die durch den Park führt, dürfen wir nicht nutzen. Naturschutz-Fehlanzeige.

Ziemlich frustriert fragen wir uns, ob das nur uns auffällt oder ob die Menschheit und unser Planet noch zu retten sind? Oder sind wir einfach nur zu alt, um das, wie früher vielleicht, zu ignorieren?

Ein Blick in die hoffentlich noch intakten letzten Berghänge und ein einsamer Eisvogel müssen diesen Tag retten. Noch ein Gutes: Der Monsunregenguss verschont uns heute.

Am nächsten Tag zeigt sich uns die Insel doch noch mal etwas versöhnlicher. Die Sonne scheint und an unserem Strandabschnitt sieht alles noch einigermaßen beschaulich und sauber aus. Wie gut, dass es Hotelpersonal gibt (Beachcleaning). Ein Strandspaziergang rundet den Ruhetag ab. Essen in der Mango Bay. Wir verlassen Poh Quoc mit gemischten Gefühlen in  Richtung Kambodscha. Davon dann mehr.

Bis dahin liebe Grüße
Susi und Strolch